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“Alphabet of Tides with Celestial Drift”: Acryl Mixed Media on Canvas

8000,00 €Preis
Größe

Das großformatige Werk entfaltet sich in einer vielschichtigen, überwiegend blau-weißen

Farblandschaft, durchzogen von vertikalen Fließbewegungen, die wie Strömungen oder

Regenvorhänge das Bild durchziehen. Im oberen und mittleren Bildfeld dominieren zwei große, konzentrisch aufgebaute Kreisformen — die eine hell und offen, die andere dichter und mit feinen Rasterpunkten besetzt — die wie Himmelskörper oder Zellen in einem kosmischen Feld schweben.

Um diese Zentren herum entfaltet sich ein dichtes Netz organischer Formen: ovale, mandelförmige und zelluläre Strukturen in Türkis, Rosa, Rot und Grau überlagern sich mit schuppenartigen Mustern und floralen Ornamenten.


Rechts im Bild sind fragmentarische Buchstabenreihen (Alphabetfragmente) sichtbar, die wie Spuren einer verborgenen Schrift aus den Farbschichten hervortreten. Vertikale blaue Linien und tropfende Farbverläufe erzeugen einen rhythmischen Sog nach unten, während die kreisförmigen Elemente Auftrieb und Schwerelosigkeit suggerieren. Feine Fischsilhouetten in der unteren Bildhälfte setzen erzählerische Akzente und verstärken die aquatische Dimension.


Interpretation

“Alphabet of Tides with Celestial Drift” verbindet zwei scheinbar gegensätzliche Sphären: die Tiefe des Ozeans und die Weite des Kosmos. Die Alphabetfragmente fungieren dabei als Chiffren einer universellen, aber nicht vollständig entschlüsselbaren Sprache — als stünde die Natur selbst in einem ständigen Kommunikationsprozess, dessen Grammatik wir nur in Bruchstücken erfassen.

Die konzentrischen Kreise lassen sich sowohl als Himmelskörper im kosmischen Treiben als auch als Wirbel im Wasser lesen — eine bewusste Doppeldeutigkeit, die der Titel aufgreift. Die netzartigen, schuppenartigen Strukturen erinnern an Fischernetze, Korallengewebe oder zelluläre Mikrostrukturen und verankern das Bild in einer organischen, lebendigen Materialität.


Die Farbdramaturgie — kühles Blau und Weiß als tragende Grundstimmung, durchbrochen von pulsierenden Rot- und Pink-Akzenten — erzeugt eine Spannung zwischen Kontemplation und Vitalität. Typisch für Stephanie Bings Arbeit entsteht hier eine psychische Topografie: kein Abbild einer äußeren Landschaft, sondern die Verdichtung innerer Zustände zu einemräumlichen Erlebnis, in dem Erinnerung, Assoziation und sinnliche Wahrnehmung gleichzeitig wirken.


Das Werk steht exemplarisch für Bings jüngste Entwicklung von opulenten Interieurs hin zu prozesshafter Abstraktion, in der biografische Spuren, ornamentale Traditionen und kosmische Weite zu einer eigenständigen Bildsprache verschmelzen.


Einordnung in Bings Kontext

“Alphabet of Tides with Celestial Drift” markiert eine konsequente Weiterentwicklung innerhalb Stephanie Bings Gesamtwerk. Ausgehend von ihren opulenten Interieurs — jenen vielschichtigen Bildräumen, in denen Architektur, Reise, Design und Biografie zu einer kosmopolitischen Realität verschmelzen — hat Bing in jüngster Zeit den Fokus zunehmend auf prozesshafte Abstraktion und mentale Landschaften verlagert. Werke wie “Brain Fog” und “Neuro Cosmos” (beide 2026) erkundeten bereits neuronale Strukturen und innere Bewusstseinsströme als Bildmotiv. “Alphabet of Tides with Celestial Drift” führt diesen Weg weiter, verschiebt den Blick jedoch vom neuronalen Innenraum hin zu einer kosmisch- ozeanischen Weite.


Was dabei erhalten bleibt, ist Bings Grundprinzip der psychischen Topografie: Ihre Bilder sind keine Abbilder äußerer Landschaften, sondern Verdichtungen innerer Zustände zu räumlichen Erlebnissen. Die Tische, Stühle und Architekturfragmente der früheren Interieurs sind hier zu abstrakteren Zeichen geworden — Alphabetfragmenten, Netzstrukturen, zellulären Formen —, die dennoch dieselbe Funktion erfüllen: eine innere Kartografie, in der Erinnerung, sinnliche Wahrnehmung und Assoziation gleichzeitig wirken.


Die ornamentale Dichte und chromatische Intensität, die Bings Arbeit seit jeher auszeichnen, sind auch hier zentral. Wie in ihrem Galartery-Profil dokumentiert, studierte Bing Bildende Kunst, Malerei, Fotografie und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität und der Akademie der Bildenden Künste Mainz — eineakademische Grundierung, die sich in der souveränen Schichtungstechnik und dem bewussten Umgang mit kunsthistorischen Referenzen niederschlägt. Die Schuppenmuster und Netzstrukturen verweisen ebenso auf textile und dekorative Traditionen wie auf biologische Formensprachen. Im Kontext von Bings aktuellem Ausstellungskalender 2026 — vom Carrousel du Louvre in Paris über die Discovery Art Fair Cologne bis zu internationalen Online-Ausstellungen bei Biafarin — positioniert sich das Werk als großformatige Schlüsselarbeit, die ihre verschiedenen Werkphasen synthetisiert: die räumliche Opulenz der Interieurs, die neuronale Energie der “Brain”-Serie und eine neue, ozeanisch-kosmische Dimension, die mit dem Lebensmittelpunkt Mallorca — der täglichen Präsenz des Mittelmeers in Port d’Andratx — unmittelbar verbunden ist. Das Bild trägt das Meer und den Himmel der Insel in sich, übersetzt in Bings unverwechselbare Sprache aus Schichtung, Ornament und psychischer Intensität.

  • Acryl Mixed Media on Canvas

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