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Amalfi. 2026. Acryl Mixed Media on Canvas

4000,00 €Preis

Amalfi, 2026

Acryl und Mixed Media auf Leinwand

Bildmaß: 70 × 50 cm

Gerahmtes Gesamtmaß: ca. 100 × 80 cm

Üppiger musealer Barockrahmen mit Stuckornamentik

Preis: 4.000 €


In Amalfi öffnet Stephanie Bing den Blick auf eine mediterrane Terrasse, die sich zwischen Garten, privatem Rückzugsort und imaginierter Bühne bewegt. Ein runder Tisch, geschwungene Stühle, Früchte, Blumen und Gefäße bilden das Zentrum der Komposition. Dahinter verdichten sich Bäume, Sträucher und Blüten zu einem üppigen vegetabilen Raum.


Zwischen Stämmen und Zweigen erscheint das leuchtende Blau des Meeres wie ein ferner Horizont.

Der Bildraum folgt keiner streng perspektivischen Ordnung. Vordergrund, Terrasse, Vegetation und Küstenlandschaft sind vielmehr rhythmisch ineinander verschränkt.


Konturen beginnen zu schwingen, Flächen kippen leicht nach vorn und Gegenstände scheinen sich aus der Bewegung der Farbe heraus zu formen. Die Malerei beschreibt die sichtbare Welt nicht nüchtern, sondern steigert sie zu einer sinnlichen Erfahrung.


Leuchtendes Türkis, Violett, Rosa, Zitronengelb, Grün und Orange überziehen die Leinwand in vielfachen Schichten. Pastose Setzungen, zeichnerische Linien und kurze, energische Pinselbewegungen erzeugen eine vibrierende Oberfläche. Die Farbe dient dabei nicht nur der Darstellung. Sie wird selbst zum Träger von Licht, Temperatur und Atmosphäre.


Interpretation

Die Terrasse erscheint als Schwellenraum zwischen Innen und Außen, Nähe und Ferne, kultivierter Ordnung und frei wachsender Natur. Der gedeckte Tisch verweist auf Gemeinschaft und Gastlichkeit, doch die Menschen selbst bleiben abwesend. Gerade dadurch erhält die Szene eine besondere Spannung: Sie wirkt wie ein vorbereiteter Ort, an dem gerade etwas geschehen ist oder im nächsten Augenblick beginnen könnte.


Früchte, Blumen und Gefäße tragen die kunsthistorische Erinnerung an das Stillleben in das Bild hinein. Sie stehen für Fülle, Genuss und die sinnliche Kostbarkeit des Augenblicks. Anders als in der traditionellen Vanitasmalerei überwiegt jedoch nicht der Gedanke an Vergänglichkeit, sondern eine gesteigerte Gegenwärtigkeit.


Die Dinge scheinen durch die Farbe belebt zu werden.

Amalfi ist deshalb weniger die Wiedergabe eines geografisch bestimmten Ortes als ein inneres Landschaftsbild. Die Amalfiküste wird zum verdichteten Erinnerungsraum aus Licht, Reiseerfahrung, Geschmack und Sehnsucht.


Der Süden erscheint nicht als touristische Kulisse, sondern als emotional aufgeladener Zustand.


Auch der Rahmen ist ein wesentlicher Bestandteil des Werkes. Der üppige, museal wirkende Barockrahmen mit seiner plastischen Stuckornamentik setzt die bewegte Malerei nach außen fort. Seine historische Pracht trifft auf die unmittelbare Energie einer zeitgenössischen Bildsprache.

So entsteht ein bewusst inszeniertes Gesamtkunstwerk, in dem Malerei, Ornament und Präsentation untrennbar zusammenwirken.


Innerhalb des Œuvres von Stephanie Bing gehört Amalfi zu jenen Arbeiten, in denen Interieur, Stillleben und Landschaft zu einem psychischen Bildraum verschmelzen. Wiederkehrende Motive wie Tisch, Stuhl, Früchte, Blumen und Gefäße sind bei ihr nicht bloß dekorative Elemente. Sie bilden ein persönliches Bildarchiv und erzählen von gelebten Räumen, Begegnungen, Reisen und kultureller Erinnerung.


Charakteristisch ist Bings Fähigkeit, gegenständliche Motive erkennbar zu bewahren und sie zugleich durch Farbe und malerische Bewegung zu verwandeln. Ihre Kompositionen entstehen aus der Spannung zwischen Beobachtung und Erinnerung.


Das Gesehene wird nicht dokumentiert, sondern emotional neu geordnet.

In Amalfi erreicht diese Haltung eine besondere Dichte. Die gesamte Bildfläche wird aktiviert. Es gibt kaum ruhige oder nebensächliche Zonen. Jeder Bereich trägt zur Gesamtbewegung bei, sodass das Bild zwischen erzählerischer Szene, Stillleben und nahezu abstraktem Farbgewebe oszilliert.


Die unverwechselbare Handschrift Stephanie Bings zeigt sich gerade in dieser Verbindung von Lebensnähe, ornamentaler Fülle und unmittelbarer malerischer Energie.


Kunsthistorisch steht Amalfi in einem offenen Dialog mit der europäischen Moderne. Die Befreiung der Farbe von einer rein naturalistischen Funktion erinnert an den Fauvismus und insbesondere an Henri Matisse. Die intime Verbindung von gedecktem Tisch, privatem Raum und farbiger Atmosphäre lässt zugleich an Pierre Bonnard und Édouard Vuillard denken. Wie bei diesen Künstlern wird das Alltägliche nicht beiläufig behandelt, sondern zum Ausgangspunkt einer verdichteten Wahrnehmung.


Auch die konstruktive Rolle des Stilllebens, wie sie seit Paul Cézanne für die moderne Malerei bestimmend wurde, klingt in der räumlichen Staffelung von Tisch, Früchten und Gefäßen an. Bing übernimmt diese Traditionen jedoch nicht als Stilzitate. Sie übersetzt sie in eine zeitgenössische, körperlich erfahrbare Malerei, deren Schichtung und gesteigerte Farbigkeit eine eigene Präsenz entwickeln.


Im Kontext der gegenwärtigen Malerei lässt sich Amalfi der erneuten Hinwendung zu Figuration, persönlicher Erinnerung, häuslichen Räumen und maximalistischer Farbigkeit zuordnen. International arbeiten zahlreiche zeitgenössische Positionen wieder mit historischen Bildformen, intensiver Ornamentik und subjektiv aufgeladenen Lebenswelten. Stephanie Bing nimmt innerhalb dieses Feldes eine eigenständige Position ein: Ihre Malerei verbindet mediterrane Erfahrung, biografische Erinnerung und kunsthistorisches Bewusstsein zu einer ebenso persönlichen wie kosmopolitischen Bildsprache

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