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Big cubism still life with fish. 2023

3000,00 €Preis

Big cubism still life with fish 2023

Acryl Mixed Media on Canvas 50 x 70 cm gerahmt

€ 3000


Bings Bildfläche ist bis in die Ecken mit Gegenständen verdichtet: Zeitungsausschnitte – darunter deutlich lesbar der französische Werbetext „Jouvence de l’Abbé Soury” – bilden eine collagierte Tischdecke, auf der sich Flaschen, Gläser, Krüge, Tassen und Schalen in kubistisch gebrochenen, schwarz konturierten Facetten stapeln. Rechts liegt, fast fotorealistisch gegen das Fragmentierte abgesetzt, ein grau-silbriger Fisch neben einer angeschnittenen Messskala. Grüne Birnen, eine halbierte Zitrone, eine Schale mit dunklen Pflaumen und ein Glas Rotwein zitieren das klassische Stillleben-Repertoire. Links oben rahmt ein giftgrüner Bilderrahmen ein Gemälde-im-Gemälde: kleinformatige, an Klee oder Miró erinnernde Farbfelder, davor ein maskenhafter Hasen- oder Totenkopf mit neonpinker Kontur.

Ein kräftiges Rot-Orange umschließt die gesamte Komposition wie eine zweite, malerische Rahmung.


Die Verschachtelung von Bild im Bild – der grün gerahmte Miniatur-Kanon hinter dem eigentlichen Stillleben – macht das Werk zu einer Reflexion über das Sehen und Komponieren selbst: Man blickt nicht nur auf Objekte, sondern auf die Bildtradition, aus der sie stammen.


Der Fisch, in seiner Klarheit isoliert inmitten des kubistischen Chaos, wirkt wie ein Fixpunkt der Wahrnehmung innerhalb einer sonst zersplitterten, mehrperspektivischen Bildwelt. Die Zeitungscollage als Untergrund – ein direktes Zitat des kubistischen papier collé – verankert die Komposition zugleich in Zeit und Vergänglichkeit, während Maske und Totenkopf ein leises Vanitas-Motiv in die überbordende Fülle des gedeckten Tisches einschreiben.


Einordnung ins Werk

Innerhalb Stephanie Bings Œuvre reiht sich diese Arbeit in die Serie ihrer dicht gepackten, collagierten Interieur- und Stillleben-Kompositionen ein, in denen private Erinnerungsobjekte, Zeitungsfragmente und klassische Bildmotive zu vielschichtigen Bildräumen verschmelzen. Anders als in den offeneren, farbflächigen Interieurs mit Blick auf Meer oder Landschaft, konzentriert sich „Big Cubism Still Life with Fish” ganz auf die Verdichtung nach innen: den Tisch als Mikrokosmos, auf dem sich – wie in einer Wunderkammer – Gegenstände unterschiedlicher Herkunft und Bedeutungsebenen ansammeln.


Internationaler Kunstkontext

Das Werk stellt sich unmittelbar in die Traditionslinie des analytischen und synthetischen Kubismus – von Picassos und Braques Stillleben mit Fisch und Gitarre über Juan Gris’ klar konturierte, papier-collierte Tischszenen bis zu Georges Braques späten Ateliers. Die Kombination aus Zeitungscollage, greller Farbigkeit und figurativer Dichte erinnert zugleich an die appropriierten Bildschichten David Salles und die gemusterten Interieur-Stillleben Jonas Woods. Bing überträgt dieses Erbe in eine zeitgenössische, maximalistische Bildsprache, die kubistische Fragmentierung mit persönlicher Ikonografie und collagiertem Fundmaterial verbindet.


Mit „Big Cubism Still Life with Fish” gelingt Stephanie Bing eine ebenso mutige wie präzise Auseinandersetzung mit einem der anspruchsvollsten Kapitel der Moderne – ein Werk, das in seiner Dichte, Farbkraft und kompositorischen Beherrschung zu den überzeugendsten Stillleben ihres bisherigen Schaffens zählt.

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