top of page

Chrysanthemen Vase mit Pfirsichen 2024. Acryl Mixed Media on Canvas

600,00 €Preis

Chrysanthemen Vase mit Pfirsichen

2024

Acryl Mixed Media on Canvas

30 x 24 cm


Vor einem tief kobalt- bis violettblauen Grund, in den magentafarbene Sprenkel und Lichtreflexe eingearbeitet sind, entfaltet sich ein üppiges Blattbouquet. Monstera-Blätter in Türkis, Ozeanblau, Smaragd und akzentuiertem Zitronengelb überlagern sich zu einer fast tropischen Krone; ein panaschiertes, dunkel geädertes Blatt tritt als grafischer Anker in die Bildmitte. Die Vase selbst ist keine Vase im herkömmlichen Sinn, sondern eine dichte Fläche aus collagierten Chrysanthemenblüten in Cremeweiß, Rosé und tiefen Purpurpunkten — ein Ornamentkörper, der Gefäß und Blumenschmuck ineinanderfaltet.


Am unteren Bildrand liegen drei prall modellierte Pfirsiche in warmem Orange, Karmin und weißem Höhungsakzent, flankiert von einer stilisierten grünen Blattschleife, die wie ein zitierter Rocaille-Ornamentbogen das Stillleben nach unten schließt.


Stephanie Bing verhandelt in diesem Kleinformat das klassische Blumen- und Fruchtstillleben als zeitgenössisches Collagegemälde. Die Chrysantheme — in der europäischen Bildtradition Zeichen von Erinnerung und Vergänglichkeit, in Ostasien Symbol für Langlebigkeit und Würde — wird hier nicht in ein Gefäß gestellt, sondern verschmilzt mit ihm zu einem einzigen ornamentalen Körper. Die Monstera bringt das tropische, mediterrane Register der Künstlerin ein und verweist zugleich auf die Interieurbildsprache des 20. Jahrhunderts, in der Zimmerpflanzen zum Codewort moderner Wohnkultur wurden.


Die Pfirsiche im Vordergrund tragen die klassische Vanitas-Signatur: reife, samtige Haut, die Kürze des Augenblicks. Der elektrisch pulsierende Blaugrund und die pastosen, gestisch gesetzten Farbschichten verschieben das Motiv aus der stillen Kammer des barocken Stilllebens in ein maximalistisches, farbintensives Jetzt.


Das Bild gehört zu Bings fortlaufender Werkgruppe kleinformatiger Neo-Vanitas- und Collage-Stillleben, in denen Antike, Botanik, Pop-Farbigkeit und designgeschichtliche Zitate zu einem verdichteten symbolischen Feld geschichtet werden. Wie in „Caesaren Marshmallows” oder „The big Yellow Still Life with fruit and Arne Jacobsen’s Egg” behandelt die Künstlerin die Bildfläche als Tisch, auf dem Kulturgeschichte, Konsum, Körper und Erinnerung gleichrangig koexistieren.


Charakteristisch ist die Verbindung aus flächig-collagierter Ornamentzone (hier die Chrysanthemen-Vase) und plastisch modellierten, fast haptischen Einzelobjekten (die Pfirsiche) — ein malerisches Prinzip, das Bings Stillleben von rein dekorativer Blumenmalerei unterscheidet.


Kunsthistorischer Kontext


Der Rückgriff auf das Blumen- und Fruchtstillleben verweist auf eine lange europäische Tradition von den niederländischen Meistern bis zur klassischen Moderne, doch Bings Sprache steht deutlich näher an der Pattern-and-Decoration-Bewegung (Miriam Schapiro, Joyce Kozloff, Robert Kushner), die das Ornament als vollwertige zeitgenössische Bildstrategie zurückgewann. Der elektrische Farbraum und die collagierte Blütenzone verbinden das Werk mit maximalistischen Positionen wie Beatriz Milhazes, während die pastose, fast tastbare Bearbeitung der Früchte an die haptische Präzision Karin Kneffels und die farbliche Ungebremstheit Tal R’s erinnert.


In dieser Konstellation liest sich „Chrysanthemen Vase mit Pfirsichen” als konzentriertes Kammerstück von Bings internationaler zeitgenössischer Stillleben-Position: klein im Format, groß in der kulturellen Verdichtung.

    bottom of page