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Código de la Vida – Code des Lebens, Triptychon 2026

5000,00 €Preis
Größe

Tafeln je 100x50x4 cm, die nebeneinander ein Gesamtformat von 100x110x4 cm bilden.


Beide Leinwände sind dicht besetzt mit einem pulsierenden Geflecht aus kreisförmigen,

zellulären und ornamentalen Strukturen, die in gestischen Schichten übereinandergelegt sind. Die Palette bewegt sich in einem warmen, leuchtenden Spektrum aus Rosa, Pink, Gelb, Türkis, Rot, Orange und Weiß, durchsetzt von punktuellen Setzungen in Dunkelblau, Schwarz und Olivgrün.


Auf der linken Tafel dominiert ein zentral platziertes, türkisfarbenes, knäuelartiges Gebilde, ein Gehirn, eine biomorphe Struktur, die zugleich an eine Zellproliferation, ein neuronales Netzwerk oder ein Korallenriff, Gehirnkoralle erinnert. Darum herum gruppieren sich zahnradähnliche Kreisformen in Rosa und Rot, spiralförmige Zeichen, tropfenförmige Reihungen und kleinteilige Punktraster.


Im unteren Bildbereich erscheinen collagierte Fragmente – anatomische Zeichnungen (Herz, Schädel), Schuppenstrukturen in Türkis, florale Motive und die römische Zahl „IX”. Eine Signatur ist mittig gesetzt. Die rechte Tafel zeigt eine stärker vertikal organisierte Komposition: Säulenartige Stränge aus gelben, rosafarbenen und orangefarbenen Kreisketten ziehen das Auge von oben nach unten und erzeugen eine gitterartige Architektur. Eingefügte Textfragmente – darunter „ABC DEFGHI” am unteren Rand und ein Zeitungsausschnitt in der Bildmitte – verweisen auf Sprache und Kodierung.


Herzförmige Motive in Schwarz und Pink, spitzenartige Strukturen und Netzgewebe

durchziehen die Fläche. Auch hier erscheinen Zahnrad- und Sonnenmotive, jedoch dichter

verwoben in ein fast textiles Gesamtgefüge.


Bildanalyse

Komposition und Struktur: Die beiden Tafeln funktionieren als komplementäres Paar: Die linke Tafel ist zentrifugal organisiert – das türkise Gehirn strahlt wie ein Nukleus in alle Richtungen aus. Die rechte Tafel hingegen folgt einer eher vertikalen, fast architektonischen Logik, in der die Kreisketten wie Stränge einer DNA-Helix oder wie Perlenketten herabfallen. Zusammen erzeugen die Tafeln einen Rhythmus zwischen Expansion und Ordnung, zwischen organischer Wucherung und kodierter Struktur.


Farbigkeit: Die Farbgebung ist charakteristisch für Stephanie Bings jüngere Arbeiten: Ein leuchtendes, fast tropisches Spektrum, das in seiner Intensität zwischen Lebensfreude und sensorischer Überforderung oszilliert. Die dominanten Rosatöne und das kraftvolle Türkis bilden einen komplementären Spannungsbogen, während Gelb- und Orangeakzente als verbindendes Element fungieren. Schwarz und Olivgrün setzen gezielte Kontrapunkte und verhindern, dassdie Opulenz ins Dekorative kippt.


Materialität und Technik: Die Arbeit vereint malerische Geste, Stempeldruck, Collage und zeichnerische Setzung in einem dichten Palimpsest. Schichten werden aufgebaut und wieder partiell überdeckt, sodass ältere Bildebenen fragmentarisch durchscheinen – ein Verfahren, das die Zeitlichkeit des Entstehungsprozesses sichtbar macht. Die eingearbeiteten Papier- und Textfragmente (Buchseiten, anatomische Darstellungen) erweitern die rein malerische Fläche um eine haptische und inhaltliche Dimension.


Zeichenhaftigkeit: Das Werk operiert mit einem dichten System wiederkehrender Zeichen: Zahnrad- und Sonnenformen als Chiffren für Mechanik und Lebensenergie, Schuppenstrukturen als Verweise auf aquatische Lebensformen (die Fisch-Chiffre der Künstlerin), Herzformen als universelle Symbole für Emotion und Vitalität, anatomische Fragmente (Herz, Schädel) als Referenzen an die wissenschaftliche Durchdringung des Körpers, und das Alphabet als Grundbaustein menschlicher Kommunikation und Kodierung. Die römische Zahl „IX” verweist auf eine serielle oder chronologische Ordnung innerhalb des Werkzyklus.


Interpretation

Der Titel „Código de la Vida” – Code des Lebens – benennt das zentrale Thema

unmissverständlich: Es geht um die Entschlüsselung, Darstellung und Feier der fundamentalen Bausteine, aus denen Leben entsteht und sich organisiert. Die beiden Tafeln lassen sich als Visualisierung zweier komplementärer Prinzipien lesen: Die linke Tafel als Darstellung organischer Genese – Zellteilung, Wachstum, biomorphe Proliferation –, die rechte als Darstellung kultureller Kodierung – Sprache, Alphabet, Schrift, Information. Die Zahnradformen, die beide Tafeln durchziehen, fungieren als Scharnier zwischen diesen Sphären: Sie verweisen gleichermaßen auf biologische Mechanismen (Proteinkomplexe, molekulare Maschinen) wie auf kulturelle Systematik (Uhrwerke, Codes, Algorithmen).


In ihrer repetitiven Anordnung erzeugen sie einen Rhythmus, der an die Regelmäßigkeit

genetischer Sequenzen erinnert – ATCG als Alphabet des Lebens, gespiegelt im „ABC DEFGHI” der kulturellen Schrift. Die anatomischen Collagefragmente – das menschliche Herz, der Schädel – setzen den Körper Organismus und zugleich als Träger von Bewusstsein, Erinnerung und Sprache. Die Herzformen, die in beiden Tafeln auftauchen, changieren zwischen anatomischer Realität und emotionalem Symbol und verkörpern damit exakt jene Doppelkodierung, die das gesamte Werk durchzieht. Die spitzenartigen und textilen Strukturen – Netzgewebe, Häkelmuster, Schuppenreihen – verweisen auf eine weitere Dimension des „Codes”: die der handwerklichen Überlieferung, der weiblichen Kulturpraxis, des Webens als ältester Form der Informationsspeicherung. Soentsteht ein Bildraum, in dem Biologie, Kultur, Handwerk und Emotion als gleichberechtigte Stränge eines universellen Lebenscodes miteinander verflochten werden.


Einordnung in den Kontext der Malerei von Stephanie Bing

„Código de la Vida” steht exemplarisch für die jüngste Phase in Stephanie Bings künstlerischer Entwicklung: den konsequenten Schritt von der perspektivisch konstruierten Interieurmalerei hin zu einem prozessualen, abstrakten Bildfeld, das sie selbst als „mentales Bildarchiv” bezeichnet. Was in den früheren Arbeiten noch als erkennbarer Raum mit Möbeln, Objekten und architektonischen Rahmungen erschien, wird hier in ein allover-artiges Zeichensystem überführt, in dem die „Möbel” des Bildes nun Zellen, Codes, Alphabete und organische Strukturen sind.

Die für Bing typische Spannung zwischen Figuration und Abstraktion bleibt erhalten,

verschiebt sich aber: Statt Sessel, Tische und Lampen sind es nun Herzen, Zahnräder, Schädel und Buchstaben, die als wiedererkennbare, aber niemals illustrative Elemente den Bildraum bevölkern. Die Fisch-Chiffre, eines der beständigsten Motive im Bing’schen Œuvre, erscheint hier sublimiert in den Schuppenmustern – nicht mehr als singuläre Figur, sondern als strukturelles Prinzip. Kunsthistorisch positioniert sich die Arbeit an der Schnittstelle von Pattern Painting, Art Brut und zeitgenössischer Abstraktion. Die all-over Komposition erinnert an die Dichte eines Lee Krasner oder die ornamentale Wucherung einer Miriam Schapiro, während die biomorphen Formen Parallelen zu Hilma af Klints kosmischen Diagrammen und den mikro- makrokosmischen Bildwelten von Ernst Haeckel aufweisen.


Zugleich bleibt die Arbeit unverkennbar „typisch Bing”: in der Farbintensität, der lustvollen

Überfülle, der Weigerung, das Bild auf eine einzige Lesart zu reduzieren, und in der

grundsätzlichen Haltung, komplexe Innenwelten nicht zu vereinfachen, sondern sie – wie es in ihrem Artist Statement heißt – „so radikal und lustvoll wie möglich in Form zu bringen.”


Im Kontext des „Código de la Vida”-Zyklus erweitert dieses Diptychon den Gedanken der

Lebenskodierung um eine entscheidende Dimension: Die beiden Tafeln offenbaren in ihrer

ganzen Breite und Komplexität den Lebens-Code – links die biologische, rechts die kulturelle Grammatik des Lebens, zusammengehalten von der Malerei als jenem Medium, das beide Sphären in einem einzigen, vibrierenden Bildraum verschmelzen kann.

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