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Donald Marat Arcimboldo Paulina Borghese and friends 2023

2000,00 €Preis

Donald Marat Arcimboldo Paulina Borghese and friends

2023

Acryl Mixed Media on Canvas

50 x 50 cm

gerahmt 60 x 60 cm

€ 2000


Donald Marat Arcimboldo Paulina Borghese and friends, 2023, ist ein vielschichtiges, malerisch und collagierend entwickeltes Werk von Stephanie Bing. In Acryl und Mixed Media auf Leinwand verbindet die Künstlerin auf einem Format von 50 × 50 cm kunsthistorische Bildzitate, Naturmotive, ornamentale Opulenz, populärkulturelle Figuren und persönliche Assoziationsräume zu einer dichten, eigenständigen Bildwelt. Der prächtige goldene Rahmen bildet dabei nicht nur eine äußere Begrenzung, sondern verstärkt die Wirkung des Gemäldes als imaginäre Sammlung, als private Wunderkammer und als Bühne für Begegnungen, die in der realen Kunstgeschichte niemals hätten stattfinden können.


Das Bild entfaltet sich als bewusst überbordendes Panoptikum. Fische, Vögel, Früchte, Zitronen, Pflanzen, Landschaftsausschnitte, antikisierende Köpfe, gerahmte Gemälde und Figuren aus der Welt des Comics erscheinen in unmittelbarer Nachbarschaft. Im Zentrum verdichten sich organische Formen zu einem an Giuseppe Arcimboldo erinnernden Kopf. Diese aus Naturformen, Fragmenten und malerischen Andeutungen zusammengesetzte Figur ruft die berühmten Kompositporträts des 16. Jahrhunderts in Erinnerung, bei denen Gemüse, Früchte, Fische oder Blumen zu menschlichen Physiognomien wurden. Bei Stephanie Bing wird dieses Prinzip jedoch nicht als kunsthistorische Rekonstruktion verwendet, sondern in eine freie, gegenwärtige und höchst persönliche Bildsprache überführt.


Im oberen rechten Bildbereich erscheint ein klassisch-idealisiertes Frauenbild, das an Antonio Canovas berühmte Darstellung der Pauline Borghese als Venus Victrix erinnert. Die Eleganz und Schönheit der neoklassizistischen Ikone werden jedoch nicht ehrfürchtig isoliert, sondern in ein wildes Geflecht aus ornamentalen Formen, Landschaft, Tieren und Figuren hineingezogen. Auch Jean-Paul Marat, dessen Name im Titel anklingt und an Jacques-Louis Davids berühmtes Revolutionsbild Der Tod des Marat erinnert, wird Teil eines assoziativen Netzes aus Kunst, Geschichte und kultureller Erinnerung. Der Titel verbindet somit Persönlichkeiten, Stile und Epochen, die sich gewöhnlich in getrennten Kategorien bewegen: Renaissance, Neoklassizismus, Revolution, Popkultur und zeitgenössische Malerei treffen in einem einzigen Bildraum aufeinander.


Die mehrfach auftretenden Donald-Duck-Figuren bringen eine komische, anarchische und zugleich sehr menschliche Energie in die Komposition. Sie unterlaufen den Anspruch einer ausschließlich „hohen“ Kunstgeschichte und stellen spielerisch die Frage, wer heute überhaupt zum kulturellen Kanon gehört. Donald Duck ist hier weder bloß Dekoration noch nostalgisches Zitat. Als impulsiver, eigensinniger und oft scheiternder Antiheld verkörpert er eine Figur, die sich den Regeln von Anstand, Geschmack und Ordnung niemals ganz unterordnet. Seine Präsenz macht das Bild lebendig und gegenwärtig. Die comicartigen Schriftzüge „KRACKS!“ und „KAWUMM!“ verstärken diese Wirkung und setzen bewusst akustische, fast filmische Impulse innerhalb der malerischen Oberfläche.


Gleichzeitig knüpft das Werk an die Tradition des barocken Stilllebens und der historischen Kunst- und Wunderkammer an. In niederländischen und flämischen Stillleben des 17. Jahrhunderts dienten Früchte, Fische, Tiere, kostbare Objekte und exotische Dinge nicht allein der dekorativen Pracht. Sie standen auch für Wissen, Wohlstand, Sinnlichkeit, Sammelleidenschaft und Vergänglichkeit. Stephanie Bing greift diese visuelle Fülle auf, löst sie jedoch aus ihrer moralischen und symbolischen Ordnung. Ihre Fische, Vögel, Früchte und Fundstücke werden zu Akteuren eines offenen Bildgesprächs. Die Idee der Vanitas ist spürbar, doch sie wird nicht düster oder belehrend behandelt. Stattdessen dominiert eine sinnliche, farbintensive und humorvolle Feier der Bildwelt selbst.


Innerhalb des Werks von Stephanie Bing steht Donald Marat Arcimboldo Paulina Borghese and friends beispielhaft für ihre Fähigkeit, komplexe visuelle Erzählungen zu entwickeln. Ihre Gemälde sind keine bloßen Collagen von Zitaten, sondern malerische Denk- und Erinnerungsräume. Sie verbindet historische Vorlagen, Figuration, Natur, Ornament, Farbe und Popkultur so, dass neue Beziehungen entstehen. Das Auge wandert durch das Bild, entdeckt versteckte Verweise, widersprüchliche Nachbarschaften und kleine Erzählungen. Diese Offenheit ist wesentlich: Das Werk fordert keine eindeutige Lesart, sondern lädt dazu ein, sich immer wieder neu in seiner Fülle zu verlieren.


International ist die Arbeit in eine Kunstgeschichte der Aneignung, Montage und Neuverhandlung von Bildtraditionen einzuordnen. Arcimboldos Bildfindungen, die illusionistische Pracht barocker Stillleben, die neoklassizistische Idealisierung Canovas und die politische Emotionalität Jacques-Louis Davids werden nicht illustriert, sondern in eine zeitgenössische, subjektive Bildsprache verwandelt. Zugleich steht die Integration von Comicfiguren und Lautmalerei in Beziehung zu Entwicklungen der Pop Art und der Appropriation Art, in denen Bilder der Massenkultur in den Kontext der bildenden Kunst überführt wurden. Anders als bei einer distanzierten oder rein konzeptuellen Aneignung bleibt Stephanie Bings Zugang jedoch zutiefst malerisch, sinnlich und erzählerisch. Ihre Arbeit lebt von Farbe, Materialität, Bewegung und der Freude an überraschenden Begegnungen.


Das Gemälde formuliert damit eine heitere, souveräne und zugleich kluge Haltung gegenüber dem kulturellen Erbe. Kunstgeschichte erscheint nicht als abgeschlossenes Museum, sondern als lebendige Gegenwart, die umgedeutet, vermischt und mit neuen Figuren bevölkert werden darf. Stephanie Bing öffnet den Kanon für das Unvorhersehbare: für Tiere und Früchte, für Landschaften und Dekor, für antike Schönheit, revolutionäre Erinnerung und den ungebetenen, aber unverzichtbaren Donald Duck.

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