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Dripping Facades Emptiness 2026: Acryl Mixed Media on Canvas

2000,00 €Preis
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„Dripping Facades“ zeigt eine vielschichtige, urbane, wie geeiste Landschaft, in der Fassaden, Netze und Rasterstrukturen wie von tauendem Frost überzogen erscheinen und langsam in die Tiefe des Bildraums zerrinnen. Vertikale dunkelblaue Läufe schneiden wie gefrorene Vorhänge durch helle Weiß- und Eisschichten, darunter blitzen Fragmente von Architektur, Fensterformen und organischen Zellen in Türkis-, Grün- und Metalltönen hervor, sodass ein vibrierendes Spannungsfeld zwischen Klarheit und Auflösung entsteht.


In der linken Bildzone dominieren hochfließende, fast grafische Tropfspuren in tiefem Blau, die an Fassadenstreifen, Regenrinnen oder herablaufende Farbe erinnern und dabei einzelne, fast zellartige Rundformen überziehen. Dazwischen liegen helle, pastose Weißflächen mit reliefartiger Struktur, die wie vereiste Mauerstücke oder von der Witterung abgeplatzter Putz wirken und dem Bild eine haptische, fast skulpturale Qualität verleihen. Rechts verdichten sich Gitter- und Wabengefüge mit schwarzen und hellen Konturen, als sähe man durch Netze, Baugerüste oder digitale Raster auf eine dahinterliegende Stadtlandschaft. Die vorherrschenden Blau-, Weiß- und Metallnuancen erzeugen eine kühle, urbane Atmosphäre, in der Lichtreflexe und Schatten in ständiger Bewegung zu sein scheinen.


Inhaltlich verhandelt das Werk das Motiv der Fassade als Schnittstelle zwischen Schutz und Verletzlichkeit: Die Oberfläche läuft ab, löst sich auf, legt darunterliegende Schichten von Erinnerung, Stadtstruktur und emotionale „Untergründe“ frei. Die Tropfen werden zu

Metaphern für Erosion, Zeit und Transformation – wie Regen, der an Hochhausfronten

herabzieht, oder wie Datenströme, die sich über digitale Oberflächen ergießen und diese

zugleich formen und zersetzen. Die überlagerten Netze, Waben und Zellen verweisen auf ein Spannungsfeld zwischen organischem Wachstum und technischer Ordnung: Stadt, Natur und Information verschränken sich zu einem pulsierenden, schwer lesbaren, aber zutiefst lebendigen Gefüge. So kippt das Bild ständig zwischen Architekturanspielung und Mikrokosmos – einmal liest man Fassaden, ein anderes Mal Zellgewebe oder abstrakte Landkarten.


Maltechnische Umsetzung: Dripping, Spritzen, Roll-Overs

Für die charakteristischen Läufe und Tropfen wird in der Regel stark verdünnte Acrylfarbe oder Fluid Acrylic verwendet, häufig mit Pouring-Medium oder Wasser verlängert, sodass sie kontrolliert, aber frei genug fließen kann. Die Leinwand wird leicht aufrecht gestellt, dann wird die Farbe entweder mit einem mit Flüssigfarbe geladenen Pinsel an der oberen Kante angesetzt oder aus einer Quetschflasche aufgetragen, sodass die Schwerkraft lange, senkrechte Drippings erzeugt. Durch Spritzen mit Wasser – etwa aus einer Sprühflasche – können einzelne Bereiche zusätzlich angelöst werden, wodurch weich verlaufende Bahnen entstehen, während konzentrierte Farbraupen ihre Kontur behalten und so dieses Wechselspiel aus scharfkantigen und verwaschenen Läufen erzeugen.


Die flächigen, texturierten Hintergründe lassen sich gut mit Farbrollen und strukturierten

Roll-Overs erarbeiten: Schaum- oder Gummiwalzen werden in dünn ausgerollte Acrylfarbe

getaucht und über die grundierte Leinwand gerollt, wodurch rhythmische Muster, Raster oder organische Spuren entstehen. Unterschiedlich geprägte Rollen oder selbst gestaltete Schaumrollen (mit eingeschnittenen Linien, Kreisen, geometrischen Motiven) erzeugen die variierenden Netze, Waben und Gitter, die später partiell übermalt, wieder freigewischt oder mit Lasuren überzogen werden. Wichtig ist das Arbeiten in Schichten:Eine Rolle legt die erste Struktur, Drippings und Farbspritzer setzen Akzente, anschließend folgen weitere Roll-Overs, Lasuren und deckende Übermalungen, bis das Gefüge der Oberflächen komplex genug wirktund die einzelnen Ebenen dennoch durchscheinen.


„Dripping Facades“ steht exemplarisch für Stephanie Bings jüngere abstrakte Phase, in der sie ihre ursprünglich stark perspektivisch aufgebauten Interieur- und Stilllebenräume zugunsten fragmentierter, experimenteller Bildfelder auflöst. Anstelle klarer Architekturzitate treten verdichtete urbane Texturen, in denen sich Reisen, Stadteindrücke und Materialstudien zu vielschichtigen Farbräumen verbinden, die sowohl organische als auch technische Strukturen verhandeln. Ihr Interesse an Gegensätzen – organisch versus technisch, schwarz-weiß versus knallbunt, freihändig versus geometrisch – bleibt erkennbar, wird hier aber in eine cooler abgestimmte, metallisch blaue Bildsprache übersetzt, die Fassaden, Netze und „found“-Strukturen wie abstrahierte Erinnerungsspeicher behandelt.


Die starken Dripping-Passagen und das Arbeiten mit Rollen, Spritzern und eingebetteten

Texturen knüpfen an ihre experimentellen Ansätze mit Schrott- und Alltagsmaterial an, in

denen sie gefundene Objekte und Oberflächen in neue ästhetische Kontexte überführt.

Zugleich zeigt das Bild, wie sie ihre künstlerische Sprache zwischen abstrakt-expressiven

Gesten und kontrollierten Rasterstrukturen balanciert, um emotionale Zustände – wie ein

inneres „Stadtwetter“ aus Regen, Licht und Spiegelungen – sichtbar zu machen. Damit fügt sich „Dripping Facades“ schlüssig in eine Werkgruppe ein, in der Bing urbane Erfahrungsräume, Reiseeindrücke und die Ambivalenz der modernen Oberfläche reflektiert und die Betrachter einlädt, hinter den ablaufenden Facetten der Fassade eigene Geschichten und Assoziationen zu entdecken.

  • Acryl Mixed Media on Canvas

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