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Gotik. Das malerische Testament

2000,00 €Preis

Gotik. Das malerische Testament

2026 Haus am Edersee

Acryl Mixed Media on Canvas

70 x 50 cm


Das Werk zeigt ein opulentes, vertikal angelegtes Stillleben, das auf einer collagierten Grundfläche aus Zeitschriftenseiten aufgebaut ist. Die Papierschicht besteht erkennbar aus Doppelseiten der Magazine „Zuhause” (Erzählung „Das Testament”) und „Schöner Wohnen” (Titelthema „Gotik – Die Kunst, die man barbarisch nannte”) aus den Jahrgängen 1967/68. Der Zeitungsdruck bleibt an vielen Stellen sichtbar und wirkt wie eine warm getönte, cremig-beige Textur, die den Bildgrund rhythmisiert.


Über diesem Malgrund entfaltet sich in dichter pastoser Manier ein üppiges Blumenbouquet: zentral drei große blau-violette Bart-Iris, flankiert von Dahlien in Pink, Koralle und Cremeweiß, Hibiskus, Fackellilien in Gelb-Orange, Herbstanemonen, Astern und exotischen Rispen. Aus dem Strauß wachsen im oberen Bilddrittel dunkle Zypressen und ein mediterran anmutender Pinienhain heraus, die die Ebenen von Interieur und Landschaft ineinander übergehen lassen – der Blumenstrauß öffnet sich gleichsam zum Garten hin.


Im unteren Bilddrittel liegen als klassische Stilleben-Requisiten eine Regenbogenforelle, ein reifer Granatapfel, ein Fliegenpilz mit rotem Hut und gelbe Birnen. Die Blumen stehen auf einem nachtblau-goldenen, mit Ornamentborte gerahmten Teppich, der kompositorisch das Zentrum bildet. Zwei Hummeln und Blattwerk streuen kleine Akzente. Links unten schimmert eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines Segelschiffs durch die Farbschicht – ein bewusst stehen gelassener Collagerest.


Interpretation

Das Bild lebt vom Spannungsverhältnis dreier Zeitebenen: der historischen Textebene (1967/68 – Wirtschaftswunder-Wohnkultur, Diskurs über Gotik als „barbarische” Kunst), der klassischen Gattung des barock-niederländischen Blumen- und Vanitas-Stilllebens (Iris, Granatapfel, Fisch, Pilz, Insekt) und der Gegenwart des malerischen Gestus. Die Zeitschriften „Schöner Wohnen” und „Zuhause” sind selbst Ikonen bürgerlicher Wohnkultur – Stephanie legt buchstäblich ihre Malerei über die Schichten dessen, was einmal als „schönes Wohnen” definiert wurde, und schreibt sie fort.


Die Vanitas-Motive (Granatapfel als Frucht der Vergänglichkeit und Fruchtbarkeit, der Fisch, der Pilz, die Hummel) werden nicht düster gelesen, sondern in ein sinnliches, sattes Farbklima überführt. Der Titelbegriff „Gotik” auf dem Papier ist dabei fast programmatisch: Es geht um eine Kunst, die einmal als „barbarisch” galt, die aber – wie Stephanies eigene expressive, ungezähmte Malweise – gerade in ihrer Fülle ihre Kraft entfaltet. Zwischen Zypressen und Pinien öffnet sich zugleich ein mediterraner Horizont, der biographisch klar auf Port Andratx / Mallorca verweist.


Einordnung in Stephanie Bings Arbeitsweise

Das Bild ist ein charakteristisches Beispiel ihrer Mixed-Media-Praxis: Zeitschriften- und Papiercollage als grundierender „Erzähl-Layer”, darüber eine pastose, hochpigmentierte Acrylmalerei mit deutlich sichtbarer Pinsel- und Spachtelspur. Typisch ist die dichte Randfüllung ohne Vakuum, das Ineinanderfließen von Interieur, Bouquet und Landschaft und die bewusste Freistellung einzelner Collage-Fragmente (Schrift, Zeichnungen wie das Segelschiff), die als „Fenster” in den Bildgrund lesbar bleiben. Ihre langjährige Beschäftigung mit Gartenmotiven, mediterraner Vegetation und Interieurästhetik – genährt durch das Pendeln zwischen Korbach und Mallorca – findet hier eine besonders konzentrierte Form.


Innerhalb ihres Œuvres steht die Arbeit an der Schnittstelle zweier Stränge: dem Blumen- und Gartenstillleben einerseits und den erzählerischen Papierarbeiten mit Vintage-Print-Material andererseits. Die Wahl gerade der Jahrgänge 1967/68 ist nicht zufällig – sie ist auch eine biographische Setzung, ihr Geburtsjahr, eine Reverenz an die Wohn- und Bildwelt ihrer Jugend, die in die eigene Bildsprache eingearbeitet und überschrieben wird.


Kunsthistorischer Kontext und historische Linie

Die Bildgattung wurzelt im niederländischen Blumen- und Prunkstillleben des 17. Jahrhunderts – hier liegt das Vokabular aus Iris, Dahlien, Granatäpfeln, Insekten und Symbolfrüchten. Von dort führt eine Linie über das üppige, atmosphärisch aufgeladene Stillleben des späten 19. Jahrhunderts (Fantin-Latour) bis in die Moderne.

Collage-Tradition. Die papierne Grundschicht knüpft an eine zweite große Linie an: die Papiers collés des Kubismus (Braque, Gris), Kurt Schwitters’ Merz-Arbeiten, später Robert Rauschenbergs „Combines” und die feministisch-häuslich gewendete Collagepraxis der 1970er (etwa Miriam Schapiros „Femmage”).


Zeitgenössisches Umfeld

Im Gegenwartsbezug bewegt sich Stephanies Bild in einem sehr aktiven Feld: dem wiederentdeckten, malerisch expressiven Interieur- und Blumenstillleben, das seit den späten 2010er-Jahren international Konjunktur hat. Sie steht dort in einer Reihe mit Künstlerinnen wie Hilary Pecis (kalifornische Interieurs und Bouquets mit flächiger, gemusterter Bildorganisation), Jansson Stegner-Umfeld, Anna Valdez (Stillleben mit Büchern, Pflanzen, Textilien und Musterschichten) und Lisa Brice (moderne Aktualisierungen klassischer Stilllebenrequisiten). Auch die Rückkehr zu opulenten Blumenbildern bei Rob und Nick Carter, Kris Knight oder Claire Basler gehört in dieses Feld.


Stephanies Bild lässt sich in ein weit gespanntes Netz kunsthistorischer Bezüge einordnen: Odilon Redon für die traumartig entrückte Farbigkeit symbolistischer Blumensträuße, die Nabis um Bernard und Sérusier für dekorative Flächigkeit und synthetische Farbe, Vuillard für Interieurs, in denen Muster und Motiv verschmelzen. Kurt Schwitters steht Pate für das gedruckte Alltagspapier als bildtragende Schicht, die barocke Ikonografie von Iris, Granatapfel und Insekt für die Motivwelt, Emil Nolde für die expressiv-pastose Farbintensität. Mit David Hockney und Alex Katz reicht die Linie bis in die zeitgenössische Rezeption des Genres.

Diese Bezugspunkte machen deutlich, dass Stephanies Arbeit weder rein dekoratives Blumenbild noch reine Vintage-Collage ist, sondern eine bewusste Verschränkung von barocker Stillleben-Ikonografie, moderner Collage-Ästhetik und der aktuellen Wiederentdeckung des Interieurs als malerischer Bühne – getragen von einer sehr persönlichen, mediterran geprägten Farb- und Formsprache.

  • Auf Wunsch sind ausgewählte Gemälde von Stephanie Bing neben dem Original auch als exklusive Art-Print-Reproduktionen erhältlich.


    Jeder Art Print entsteht als hochwertige Fine-Art-Ausgabe und wird von der Künstlerin persönlich von Hand signiert und nummeriert; die limitierten Editionen unterstreichen Authentizität und Sammlerwert.


    Die Reproduktionen werden auf Leinwand mit Keilrahmen oder auf ausgewählten Fine-Art-Papieren in Studioqualität gefertigt, sodass Farbigkeit, Tiefe und Atmosphäre der Malerei sich in einem edlen Druckbild entfalten.


    Fine-Art-Prints auf Leinwand können in Formaten bis zu 1,40 m × 1,40 m auf hochwertigen 4-cm-Keilrahmen realisiert werden und setzen im Raum eine besonders präsente, malerische Wirkung.


    Je nach Einrichtung lassen sich die Art Prints in verschiedenen Formaten und Rahmungen umsetzen – von klassisch gerahmt hinter Glas mit Passepartout bis zu reduzierten, zeitgemäßen Rahmenlösungen, die das Werk als Keypiece im Interieur inszenieren.


    Die Rahmung erfolgt stets auf hohem Niveau und wird individuell auf Größe, Material, Farbigkeit und Hängesituation abgestimmt.


    Bitte richten Sie Ihre Anfrage an


    stephanie.bingo@me.com

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