Green Parrot
Green Parrot
2023
Acryl Mixed Media on Wood
35 x 35 cm
framed
S O L D
Aus der Werkreihe „Facetten aus einem ungebändigten Kopf“ zeigt das Bild ein dichtes, farbintensives Interieur-Stillleben. Im Zentrum steht ein türkisgrüner runder Tisch, den man von oben sieht. Darauf stehen eine blau-weiß gepunktete Schale mit einer schwarzen, rot konturierten Blattpflanze, ein Teller mit gelben Früchten und ein kleines schwarzes Gefäß. Links ragen zwei hohe, gemusterte Keramikvasen auf. Die eine ist mit Punkten und fragmentarischen Schriftzeichen überzogen, die andere mit einem ornamentalen Gittermuster. Unten links öffnet sich ein Feld mit Scherenschnitt-Formen in Rot, Schwarz und Weiß.
Der Hintergrund ist ein expressiver Farbraum aus glühendem Rot, Orange, Gelb, Rosa und Violett. Von oben rechts ragt ein realistisch gemalter, anatomisch präziser Knochen ins Bild. An ihm scheint ein Papagei mit gespreizten Flügeln und langem Schwanz zu hängen oder gerade aufzufliegen. Im Vordergrund blickt ein leuchtend grüner Amazonenpapagei den Betrachter direkt an, neben ihm steht eine dunkle Vase mit weißem Vogeldekor. Ein Leopardenmuster, das an eine Tischdecke erinnert, verbindet die einzelnen Bildzonen miteinander.
Interpretation
Das Werk lebt von einem bewussten Bruch. Die heitere, dekorative Welt des mediterranen Stilllebens trifft auf den Knochen, ein klassisches Memento-mori-Motiv. So entsteht eine moderne Vanitas, in der Fülle, Farbe und Lebenslust neben dem Wissen um die Vergänglichkeit stehen.
Die beiden Papageien zeigen zwei verschiedene Zustände.
Der obere Vogel wirkt schwebend und fast entrückt, er befindet sich zwischen Flug und Präparat, zwischen Freiheit und Gefangenschaft. Der untere Papagei dagegen ist ganz lebendig und gegenwärtig, beinahe ein Porträt. Weil er den Betrachter ansieht, wird er zum eigentlichen Gegenüber im Bild. Die Vogeldarstellung auf der Vase wiederholt dieses Motiv noch einmal, sodass der lebende Vogel neben seinem ornamentalen Abbild steht.
Neben dem Foto der Künstlerin inmitten ihrer Papageien wird deutlich, dass es hier nicht um Exotik als Dekor geht, sondern um eine persönliche, gelebte Beziehung. Der Titel der Reihe, „Facetten aus einem ungebändigten Kopf“, beschreibt zugleich die Methode des Bildes. Assoziationen, Erinnerungen und Zitate fließen ungefiltert zusammen, ohne sich einer einzigen Logik zu unterwerfen.
Kunsthistorischer Kontext
Das Bild führt einen offenen Dialog mit Henri Matisse. Der rote, flächige Raum erinnert an „Das rote Atelier“ und „Harmonie in Rot“. Der runde Tisch in Aufsicht verweist auf seine Goldfisch-Stillleben, und die Scherenschnitt-Formen unten links zitieren direkt seine späten „Papiers découpés“. Wie bei Matisse wird auch hier Muster auf Muster gesetzt und das Ornament als gleichwertiges Bildelement behandelt. Auch der Papagei hat bei Matisse eine Vorgeschichte, denn sein Spätwerk „La Perruche et la Sirène“ von 1952 und seine Liebe zu den Vögeln, die er in Vence hielt, klingen in diesem Bild an.
Der eingesetzte Knochen durchbricht diese fauvistische Harmonie jedoch mit einer surrealen, fast collageartigen Präzision. Er erinnert an Georgia O’Keeffes Knochenbilder und an die Traumlogik des Surrealismus. Zugleich schwingt die barocke Vanitas-Tradition der Niederländer mit, in der exotische Vögel, Früchte und Schädel nebeneinander erscheinen. Literarisch liegt Flauberts „Ein schlichtes Herz“ nahe, in dem der Papagei Loulou zwischen Leben, Präparat und Verklärung schwebt.
Stephanie Bing arbeitet in der Tradition einer zeitgenössischen, postmodernen Malerei, die kunsthistorische Zitate nicht kopiert, sondern als Material verwendet. Stilistisch bewegt sich das Werk zwischen Neo-Fauvismus und einer Pop-affinen Mixed-Media-Malerei. Inhaltlich lässt es sich als zeitgenössische Vanitas und zugleich als Hommage verstehen. In seiner Methode ist es eine Bild-Collage, die Malerei, Zitat, Realismus und Ornament zu einer Einheit verbindet. Das Bild vereint den Genuss an der Farbe mit einer existenziellen Tiefe, und gerade diese Spannung zwischen Dekor und Ernst macht es eigenständig.
Internationale Relevanz
Das Werk spricht eine international verständliche Bildsprache. Matisse, das Stillleben und die Vanitas gehören zum Grundwortschatz der westlichen Kunstgeschichte und werden von New York bis Paris sofort erkannt. Zugleich greift das Bild ein aktuelles Thema der Gegenwartskunst auf, nämlich die Beziehung zwischen Mensch und Tier und die Frage nach Freiheit, Gefangenschaft und Artenvielfalt. Neben Künstlerinnen und Künstlern wie Jonas Wood, Matthew Wong oder Henry Taylor, die das Erbe von Matisse neu deuten, zeigt dieses Werk, wie lebendig die Auseinandersetzung mit der klassischen Moderne heute ist. Durch seine starke Farbwirkung und seine Erzählkraft eignet es sich besonders für internationale Ausstellungen, Kunstmessen und Wettbewerbe, die sich dem Stillleben, der Natur oder der Hommage an die Moderne widmen.
