top of page

Identity Agreements 2026: Acryl Mixed Media on Canvas

3000,00 €Preis
Größe

Wenn ihr auf mein Bild schaut, wird euer Auge sofort hineingezogen in ein dichtes, pulsierendes Feld aus biologischen Formen. Überall im Bild teilen sich Zellen — manche in früher Teilungsphase, andere bereits ausdifferenziert, mit sichtbaren Kernen, Membranen und Erbinformationen, die wie codierte Botschaften in ihrem Inneren liegen. Diese Zellstrukturen in Türkis, Magenta, Ocker und Rosa durchziehen das gesamte Bildfeld als organisches Grundmuster.


Im Zentrum sitzt ein Gehirn - frei, exponiert, in kühlem Türkis. Das ist kein dekoratives Element, das ist das Herzstück des Bildes. Am oberen Rand habe ich das Alphabet gesetzt — A B C D E F G H — wie einen ersten Versuch, dieser biologischen Ursuppe eine sprachliche Ordnung aufzulegen. Rechts schreiben sich die Worte „identity” und „agreements” ins Gewebe ein, mehrfach wiederholt, wie ein Mantra oder eine Diagnose.


Punktraster, ornamentale Strukturen, lineare Zeichnungen — Fische, Knochenformen — überlagern alles wie weitere Schichten eines unendlich komplexen Organismus.


Ich stelle in diesem Bild die Frage nach Identität dort, wo sie biologisch beginnt: in der Zelle. Die Zellteilungen, die das gesamte Bild durchziehen, tragen Erbinformationen - jene molekularen Vereinbarungen, die festlegen, wer wir werden, bevor wir überhaupt ein Wort dafür haben.


Identität ist hier kein Vertrag, den man unterschreibt, sondern ein Code, der sich selbst

reproduziert, mutiert und weiterschreibt. Die „agreements” meines Titels beginnen auf zellulärer Ebene — lange bevor Sprache, Gesellschaft oder Selbstbewusstsein einsetzen.

Das Gehirn im Zentrum ist der Ort, an dem dieses biologische Programm auf Bewusstsein trifft. Es ist eine Suchbewegung: Das Gehirn sucht nach sich selbst.


Es betreibt Psychoanalyse an sich selbst — es versucht, den eigenen Code zu lesen, die

eigenen Vereinbarungen zu entschlüsseln. Ich habe es bewusst exponiert inmitten der sich

teilenden Zellen platziert — als Organ, das zugleich Produkt und Analytiker des eigenen

Entstehungsprozesses ist. Subjekt und Objekt der Untersuchung gleichzeitig.


Das Alphabet am oberen Bildrand ist für mich der lustvolle, vielleicht auch verzweifelte

Versuch, dem biologischen Rauschen eine Sprache zu geben — Buchstaben als früheste

kulturelle Ordnung über der zellulären Unordnung. Und die Worte „identity” und „agreements” funktionieren als Diagnose: Was wir Identität nennen, ist ein Bündel von Vereinbarungen — genetisch, neurologisch, psychisch, sozial —, die sich ständig neu verhandeln, wie Zellen, die sich teilen und dabei ihren Code zugleich kopieren und variieren.


Die ornamentalen Schichten und Muster, die alles überziehen, sind keine Dekoration. Sie sind meine Visualisierung von Komplexität: so wie der genetische Code kein linearer Text ist, sondern ein vieldimensionales, sich selbst organisierendes System. Dieses Bild markiert u.a. für mich einen radikalen Schritt. In meinen früheren Arbeiten habe ich

psychische Topografien als Raummetaphern gemalt — Tische, Stühle, Lampen als Chiffren

innerer Zustände. In „Identity Agreements” ersetze ich diese Raumelemente durch Zellen,

Genome und neuronale Strukturen. Der Innenraum ist nicht mehr das Zimmer — er ist der Körper selbst. Das Gehirn, das sich selbst analysiert, ist meine ultimative Wendung nach innen: kein Interieur mehr, sondern das Interieur des Interieurs.


Mein mentales Bildarchiv wird hier buchstäblich biologisch.


Die Farbe verlässt nicht nur den Raum, sie dringt in die Zelle ein. Die Identitätsvereinbarungen, die ich verhandle, sind nicht mehr gesellschaftlich oder biografisch gerahmt — sie greifen dorthin, wo Identität tatsächlich entsteht: in die Zellteilung, in die Erbinformation, in das Gehirn, das versucht, sich selbst zu verstehen.






  • Acryl Mixed Media on Canvas

bottom of page