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Inventar der Gegenwarten Permeable Room 2026

2800,00 €Preis

Inventar der Gegenwarten

Permeable Room

2026

Acryl Mixed Media on Canvas  50 x 60 x 2 cm

€ 2800


*Inventar der Gegenwarten – Permeable Room* von Stephanie Bing entfaltet einen farbintensiven, vielschichtigen Bildraum, in dem Interieur, Garten, Erinnerung, Designgeschichte und persönliche Atmosphäre zu einer lebendigen Einheit verschmelzen. Das Werk zeigt keinen eindeutig begrenzten Ort, sondern einen durchlässigen Erfahrungsraum: Architektur öffnet sich zur Vegetation, Pflanzen wachsen in den Wohnbereich hinein, Objekte werden zu Erinnerungsträgern, und die Grenzen zwischen Innenwelt und Außenwelt lösen sich zugunsten einer dichten, sinnlichen Bildwirklichkeit auf.


Im Zentrum der Komposition steht der leuchtend gelbe Panton Chair von Verner Panton für Vitra. Der ikonische Entwurf des modernen Möbeldesigns erscheint nicht als beiläufiges Einrichtungselement, sondern als skulpturale Hauptfigur des Bildes. Seine unverwechselbare, frei schwingende S-Form verbindet Fuß, Sitz und Rückenlehne zu einer kontinuierlichen Bewegung. Der Panton Chair, ein revolutionärer Entwurf der 1960er-Jahre und erster einteiliger Kunststoff-Freischwinger, verkörpert die Idee einer zukunftsorientierten, mutigen und sinnlichen Moderne.


Stephanie Bing verleiht dieser Designikone eine neue, malerische Gegenwart. Der gelbe Stuhl wird zum optischen Zentrum des Werkes und setzt sich kraftvoll gegen die üppige, organische Vegetation, die farbigen Architekturfragmente und die Vielzahl der arrangierten Objekte durch. Seine leuchtende Farbigkeit steht für Licht, Sonne, Energie und geistige Präsenz. Zugleich verweist seine skulpturale Form auf die Verbindung von Funktion und Kunst, von Wohnkultur und ästhetischer Utopie.


Der Bildraum ist von Pflanzen, Bäumen, Blumen, Zitronen, Orangen, Keramik, Glasgefäßen, Textilien und dekorativen Gegenständen erfüllt. Die Gegenstände sind nicht als stille Dekoration behandelt, sondern als Träger von Geschichte, Geschmack, Gebrauch und Erinnerung. Sie vermitteln die Präsenz eines gelebten Ortes, obwohl keine menschliche Figur sichtbar ist. Das Bild ist dennoch zutiefst bewohnt: durch die Auswahl der Dinge, durch ihre Anordnung, durch die Spuren von Nähe, Pflege, Begegnung und Zeit.


Die großformatigen Pflanzen entfalten sich mit expressiver Kraft über die gesamte Bildfläche. Ihre dunklen Konturen, grünen, schwarzen, blauen und gelben Farbspuren bilden ein vegetabiles Gegenüber zur klaren, synthetischen Form des Panton Chair. In dieser Gegenüberstellung liegt eine wesentliche Spannung des Werkes: Natur und Design, Wachstum und Konstruktion, organische Unberechenbarkeit und industrielle Präzision begegnen einander. Stephanie Bing stellt sie jedoch nicht als Gegensätze dar, sondern als miteinander verflochtene Aspekte einer zeitgenössischen Lebenswelt.


Der Titel *Permeable Room* verweist auf die Durchlässigkeit dieses Raumes. Der Ort ist offen für Licht, Natur, Erinnerungen und kulturelle Zeichen. Die Architektur besitzt keine feste Begrenzung; Fenster, Türen, Spiegelungen und Perspektivwechsel öffnen den Innenraum nach außen. Gleichzeitig zieht die Natur in den Raum ein und macht ihn zu einem lebendigen Organismus. Das Gemälde beschreibt damit nicht nur einen Wohn- oder Gartenraum, sondern einen Zustand des Wahrnehmens: Gegenwart entsteht dort, wo unterschiedliche Zeitschichten, Materialien, Erfahrungen und Bedeutungen nebeneinander bestehen dürfen.


Die handschriftähnlichen Schriftfragmente und collageartigen Einschreibungen verstärken den Charakter des Bildes als visuelles Archiv. Sie erinnern an Briefe, Notizen, Erinnerungsreste oder überlieferte Geschichten. Nichts bleibt vollkommen abgeschlossen; jede Schicht trägt Spuren einer vorausgegangenen Wahrnehmung. Das Werk ist daher wie ein Palimpsest aufgebaut: Farbflächen, Zeichen, Gegenstände und Bildräume überlagern sich, werden teilweise verdeckt und bleiben dennoch als Erinnerung sichtbar.


Der Begriff *Inventar der Gegenwarten* erhält in diesem Zusammenhang eine zentrale Bedeutung. Stephanie Bing inventarisiert nicht Gegenstände im sachlichen Sinn, sondern emotionale und kulturelle Zustände. Der Panton Chair, die Früchte, die Vasen, die Pflanzen, die Keramiken und die architektonischen Fragmente sind Bestandteile einer Gegenwart, die aus persönlichen Erfahrungen, kunsthistorischen Referenzen, Wohnkultur und Naturerleben besteht. Jedes Element trägt eine eigene Zeitlichkeit in sich und wird im Bild zugleich Teil eines neuen, gemeinsamen Augenblicks.


Formal arbeitet Stephanie Bing mit einer ausgesprochen expressiven und materialbewussten Malweise. Die Farben werden nicht zurückhaltend eingesetzt, sondern in kräftigen, teilweise pastosen und zeichnerisch energischen Setzungen aufgetragen. Gelb, Pink, Türkis, Blau, Grün, Rot, Schwarz und Weiß bilden ein spannungsreiches Kolorit, das den Blick permanent durch die Komposition führt. Die malerische Oberfläche bleibt sichtbar und körperlich. Sie vermittelt die Energie des künstlerischen Prozesses und macht das Bild zu einem eigenständigen Objekt, nicht nur zu einem Fenster in einen dargestellten Raum.


Die kraftvolle Farbigkeit und die Freiheit der Formen stehen in der Tradition der expressiven Moderne. Zugleich verweist die Verbindung von Interieur, dekorativer Fläche, Natur und intensiver Farbe auf die Geschichte der modernen Raum- und Stilllebenmalerei. Stephanie Bing übernimmt diese kunsthistorischen Impulse jedoch nicht als Zitat. Sie übersetzt sie in eine eigenständige, zeitgenössische Bildsprache, in der sich Malerei, Collage, Zeichnung, Designgeschichte und autobiografisch lesbare Atmosphäre verbinden.


Die Aufnahme des Panton Chair verankert das Werk zugleich in der Designgeschichte der Nachkriegsmoderne. Verner Pantons Entwurf war Ausdruck einer Zeit, die Wohnen neu denken wollte: farbig, frei, beweglich, experimentell und offen für neue Materialien. In Stephanie Bings Gemälde wird diese historische Zukunftsvision in eine aktuelle, persönlich aufgeladene Umgebung überführt. Der Designklassiker erscheint nicht als museales Objekt, sondern als Teil eines lebendigen Lebensraumes. Er steht für eine Moderne, die weiterhin ästhetische Kraft besitzt und sich mit Natur, Individualität, Komfort und kultureller Erinnerung verbinden kann.


Stephanie Bing entwickelt in *Inventar der Gegenwarten – Permeable Room* einen Raum der Gleichzeitigkeit. Die historische Designikone, die mediterrane Vegetation, die Sammlung von Objekten, die Schriftspuren und die malerische Geste bilden keine getrennten Ebenen, sondern eine dichte Gegenwart. Das Werk zeigt, dass Wohnen, Sammeln, Gestalten und Erinnern Formen kultureller Selbstvergewisserung sein können.


So wird der Bildraum zu einem Ort, an dem die Vergangenheit nicht abgeschlossen ist und die Gegenwart nicht flüchtig bleibt. Die Dinge, Farben und Formen bewahren Erfahrungen und setzen sie zugleich neu in Bewegung. *Permeable Room* ist ein Gemälde über Schönheit, Lebenskunst und die Fähigkeit von Räumen, persönliche Geschichten aufzunehmen. Es zeigt die Welt als eine farbgesättigte, offene und wandelbare Komposition, in der Design, Natur und Erinnerung untrennbar miteinander verbunden sind.


Quellen

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