top of page

Just White. 2022 Acryl Mixed Media on Canvas

3000,00 €Preis

Just White

2022

Acryl Mixed Media on Canvas

60 x 50 cm


„Alles andere als weiß“


Dieses Bild ist eine dichte, vielschichtige Collage aus historischen Texten, naturkundlichen Motiven und Designobjekten, die einen imaginären, gelehrten Innenraum entstehen lässt – weit entfernt von „weiß“, vielmehr ein visuell übervoller Denk‑ und Wunderraum.


Auf der Leinwand überlagern sich Fragmente alter Buchseiten, Karten und Kupferstich-Anmutungen mit gemalten Objekten wie Fischkörpern, Gefäßen, Stühlen, einer Skulpturenfigur, einem Oktopus und einer antiken Weltkarte. Die Grundstimmung ist hell – Creme, Gelb, gebrochene Weißtöne –, wird jedoch von markanten Farbakzenten wie Blau, Rostbraun und Schwarz durchbrochen, sodass ein lebendiges Bildfeld entsteht.


Im oberen Bereich erscheinen Titelblätter wie „MEDICIN MULIERUM“ und „PHILON NATURALIS PRINCIPIA“, die auf frühneuzeitliche medizinische und naturwissenschaftliche Schriften verweisen; sie wirken wie semitransparente Tapeten, durch die andere Bildebenen hindurchscheinen. In der Mitte spannt sich eine architektonische Struktur, ein Portal, über ein Fischskelett, während unten links ein moderner Designerstuhl mit Schlange und unten rechts ein Oktopus und ein Amphoren-Gefäß auftauchen, wodurch sich Zeiten, Stile und Wissensfelder mischen.


„Alles andere als weiß“


Die scheinbare Helligkeit des Bildes ist ein bewusster Kontrast zu seiner inhaltlichen Dichte: Unter der hellen Lasur liegt ein Gewimmel aus Typografie, Linien, Figuren und Objekten, das den Blick permanent in Bewegung hält. Damit widerspricht das Werk dem Klischee der „weißen“, neutralen Wand oder der „weißen“ abstrakten Malerei – hier wird Weiß zur Bühne für Geschichte, Wissen, Erinnerungsfragmente und persönliche Objekte, nicht zur Leerstelle.


Die Verwendung von Collage, Übermalung und Lasurtechnik entspricht dem, was über Bings Werk geschrieben wird: Sie „tapeziert“ Räume mit Fundstücken, Fotos, Meeresgetier, Pflanzen, Karten und kunsthistorischen Referenzen und verbindet diese durch malerische Überarbeitungen zu neuen Raumgefügen. So entsteht ein Bild, das auf den ersten Blick hell und leicht wirkt, in seiner ikonografischen und textuellen Fülle aber fast barock überbordend ist – ein bewusstes Spiel mit Oberflächen-wahrnehmung und inhaltlicher Tiefe.


Dieser Bildraum ist mehr eine mentale denn eine reale Architektur: eine Wunderkammer, in der wissenschaftliche, medizinische und maritime Motive neben Designklassikern und Gefäßen stehen. Typisch für Bings Praxis ist die Integration von historischen Dokumenten, Karten und Handschriften – teilweise aus einem alten Korbacher Kaufmannshaus, aus persönlichen Archiven und aus dem Antiquariat –, die sie mit moderner Architektur und Design kombiniert, um imaginierte Räume zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schaffen.


„Just white“ setzt diese Strategie fort, indem es ein Geflecht aus Wissensgeschichte (Newton, frühneuzeitliche Medizin), Naturkunde (Fische, Oktopus) und modernem Alltag (Stuhl, Interieurfragmente) konstruiert, das sich dem Betrachter nicht linear, sondern assoziativ erschließt.


In der Kunstgeschichte lässt sich das Bild an mehrere Traditionslinien anschließen: zum einen an die Wunderkammern und Enzyklopädie-Bilder der Frühen Neuzeit, in denen Naturalia und Artificialia, wissenschaftliche Instrumente und Kuriositäten in einem Bildraum zusammengeführt wurden – hier modernisiert durch Designobjekte und zeitgenössische Collage. Zum anderen knüpft die tapisserieartige, flächig strukturierte Bildorganisation an Positionen der Pattern-and-Decoration-Bewegung seit den 1970er-Jahren an, etwa an Miriam Schapiro, Valerie Jaudon oder Robert Kushner, die ornamentale Muster, kartografische und textliche Fragmente sowie textile Anmutungen in farbintensive, all-over organisierte Bildfelder übersetzen und damit das Dekorative, Feminine und Alltägliche als tragende Struktur moderner Bildräume rehabilitieren – ein Ansatz, in dessen Nachhall sich Bings Räume aus Interieur, historischen Druckseiten, naturkundlichen Motiven und Designobjekten präzise verorten lassen.

  • Auf Wunsch sind ausgewählte Gemälde von Stephanie Bing neben dem Original auch als exklusive Art-Print-Reproduktionen erhältlich.


    Jeder Art Print entsteht als hochwertige Fine-Art-Ausgabe und wird von der Künstlerin persönlich von Hand signiert und nummeriert; die limitierten Editionen unterstreichen Authentizität und Sammlerwert.


    Die Reproduktionen werden auf Leinwand mit Keilrahmen oder auf ausgewählten Fine-Art-Papieren in Studioqualität gefertigt, sodass Farbigkeit, Tiefe und Atmosphäre der Malerei sich in einem edlen Druckbild entfalten.


    Fine-Art-Prints auf Leinwand können in Formaten bis zu 1,40 m × 1,40 m auf hochwertigen 4-cm-Keilrahmen realisiert werden und setzen im Raum eine besonders präsente, malerische Wirkung.


    Je nach Einrichtung lassen sich die Art Prints in verschiedenen Formaten und Rahmungen umsetzen – von klassisch gerahmt hinter Glas mit Passepartout bis zu reduzierten, zeitgemäßen Rahmenlösungen, die das Werk als Keypiece im Interieur inszenieren.


    Die Rahmung erfolgt stets auf hohem Niveau und wird individuell auf Größe, Material, Farbigkeit und Hängesituation abgestimmt.


    Bitte richten Sie Ihre Anfrage an


    stephanie.bingo@me.com

bottom of page