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S O L D. Ornament als genetischer Code. 5.000 €

5000,00 €Preis

S O L D


Ornament as Genetic Code

2026

Acryl Mixed Media on Canvas

100 x 120 cm

€ 5.000


Stephanie Bings Gemälde „Ornament as Genetic Code” ist eine Einladung an das Auge zum Verweilen: ein helles, warmes, weites Bildfeld, in dem Ornamente, Zahlen, Fische, Schuppenmuster, Rasterpunkte, Farbläufe und feine Zeitschriftenfragmente wie in einem geöffneten Notizbuch zueinanderfinden.


Der Blick darf wandern, entdecken, wiederkommen – überall antwortet ihm ein neues Detail. Was auf den ersten Blick wie Fülle wirkt, folgt in Wahrheit einer eigenen, klar gestimmten bingschen Grammatik: aus Muster, Zeichen und Rhythmus.


Über dem gesamten oberen Bildrand liegt eine goldgelbe Ornamentzone aus geschuppten Tropfenformen und Farbverläufen.

Darunter öffnet sich ein weißer Halbkreis, fast wie eine Kuppel oder ein Halo, und in diesem Halo sitzt, exponiert und beinahe schutzlos, ein zartes, fragiles hellblaues ornamentales Gehirn auf einem gerasterten Punktfeld.


Das ist kein Zufall: Bing inszeniert das Gehirn im optischen Zentrum ihrer Bildarchitektur – exponiert, lesend, sich selbst befragend. Der es umgebende Raum ist kein biologischer, sondern ein kultureller.


Die zentrale, hellblau gezeichnete Gehirnform ist Anker und Motor zugleich: Von ihr aus verzweigen sich Gedanken in organische Ringe, synaptische Schleifen und ornamentale Strukturen, die sich als Zellketten, als Fischformen, als blattartige Ranken, als kleine Rispen und Kreise durch die gesamte Leinwand fortschreiben.


Buchstaben und Zahlen verweisen dabei auf das geordnete, logische Denken – links läuft eine Kolonne aus Zahlen „234 567 890” vertikal durch das Bild, überlagert von blauen Rinnspuren wie Regen oder Wasserzeichen –, während gestische Spuren, tropfende Farbläufe und ornamentale Explosionen die intuitive, emotionale Ebene markieren.


Beide Sphären existieren bei Bing nicht nebeneinander, sondern durchdringen sich.

Rechts unten hat die Künstlerin ein lesbares Fragment stehen lassen: „THE WORLD OF INTERIORS”. Sie hat es nicht kaschiert, sie hat es zitiert.


Diese Zeitschriftenzeile ist im Bild ihr eigenes Argument – eine Diagnose, kein Dekor: Wir bewohnen die Welt der Interieurs, aber die Interieurs, die wir bewohnen, sind längst aus Bildern, Katalogseiten, Mustern und Codes gemacht, nicht mehr aus Räumen.


An anderer Stelle setzt Bing dem englischen Fragment ein italienisches zur Seite – ein Ausschnitt aus einer Designzeitschrift, dessen lesbare Worte sich zu einem klassischen Interior‑Absatz fügen lassen. Fast wörtlich übersetzt steht hier:


„Ein Raum, der der Ruhe gewidmet ist – ein Ort, an dem die Sinne Zuflucht finden.

Um dieses Gefühl der Stille heraufzubeschwören,

setzt der Entwurf auf taktile Materialien und die Präsenz des Holzes, gespiegelt in Glasflächen, die das natürliche Licht hereinlassen. Architektonische Elemente, die das Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellen,

schaffen intime Innenräume, geschützt vor der Außenwelt.”


Mit „Ornament as Genetic Code” schreibt Bing diese italienische Design‑Rhetorik in ihrer eigenen, poetisch‑malerischen Form weiter: Architekturfragmente und übermalte Textblöcke tauchen auf und versinken wieder wie Erinnerungen – halb gelesene Geschichten in einer privaten Bildsprache.


Die Zahlenkolonne setzt dazu einen leisen Akzent der Ordnung – das Zählen als stiller Mitspieler im Strom der Muster.

Trotz der scheinbaren Fülle entsteht durch sorgfältige Schichtung und Farbbalance ein pulsierender, optimistischer Gesamtklang. Die Palette wird von leuchtendem Gelb, Türkis, Rosé, Blau, Ocker und Weiß getragen, durchsetzt von roten Akzenten und graphitgrauen Fragmenten, die Tiefe und Halt geben.

Das Ornament wird bei Bing zum genetischen Code. Was aussieht wie Schmuck, ist in Wahrheit Erbinformation einer Kultur – Muster, die sich reproduzieren, mutieren und weiterschreiben. Das elegante hellblaue Gehirn im Zentrum liest dieses Feld. Es ist wieder Subjekt und Objekt zugleich: Es sitzt inmitten der Muster, aus denen es selbst gemacht ist, und versucht, sie zu entziffern. Die Zahlenkolonne links – 234 567 890 – ist der Versuch, dem ornamentalen Rauschen eine Ordnung zu geben.

Bing verdichtet hier ihre Bildsprache zu einem regelrechten All‑Over: Jede Zone der Leinwand ist gleichwertig aktiv, der Blick findet kleine Ruhepunkte und überall Halt. Im internationalen Kontext bewegt sich „Ornament as Genetic Code” in der Tradition jener Mixed‑Media‑Positionen, die Malerei, Schrift und Collage als gleichberechtigte Medien des Erinnerns begreifen – von der gestischen Bildvielfalt Jean‑Michel Basquiats über die enzyklopädischen Wimmelwelten Jonathan Meeses bis zu den symbolgeladenen Kosmen Shara Hughes’. Verwandt sind auch die „mental maps” zeitgenössischer Künstlerinnen, in denen urbane Strukturen und Bewusstseinsströme zu pulsierenden Netzwerken verschmelzen.

Bing übersetzt diese Tendenzen in eine eigene, mediterran‑mitteleuropäisch geprägte Tonalität: Die hellen Gelb‑, Türkis‑ und Rosétöne tragen das Licht von Mallorca in sich, während die collagierten Architektur‑ und Schriftfragmente – „THE WORLD OF INTERIORS”, das italienische Interieur‑Zitat, die Zahlenkolonne, die kleinen Notenzeichen – an die kulturelle Dichte europäischer Lebenswelten erinnern.

„Ornament as Genetic Code” ist damit nicht nur ein Bild über das Denken – es ist ein Bild über das Denken zwischen Sprachen, Orten und Erinnerungsschichten. Die Muster, die Stephanie Bing hier malt, sind keine Dekoration. Sie sind intellektuelle Vereinbarungen. Sie sind das, worauf wir uns – meist ohne es zu bemerken – geeinigt haben, lange bevor wir wussten, dass wir es tun.

Ein Werk, das im Sammlungskontext sowohl in zeitgenössischen Privatsammlungen als auch in kuratierten Gruppenausstellungen zum Thema Memory, Mind & Mapping seinen Platz findet.


[„Uno spazio dedicato al riposo, dove i sensi possono trovare rifugio. Per evocare la sensazione di calma, l’architetto ha scelto materiali tattili e la presenza del legno, riflessa dalle vetrate che lasciano entrare l’illuminazione naturale. Elementi architettonici progettati per mettere al centro il benessere totale contribuiscono alla creazione di ambienti intimi, protetti dal mondo esterno.”]

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