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Pop Art Underground. 2023. Acryl Mixed Media on Canvas

2000,00 €Preis

Pop Art Underground

2023

Acryl Mixed Media auf Leinwand

50 × 50 cm

70 x 70 cm hochwertig gerahmt


Auf sattem, karminrotem Grund öffnet Bing einen bühnenartigen Innenraum, dessen zentrale Fluchtachse in ein türkis gerahmtes Bild-im-Bild der New Yorker Freiheitsstatue führt. Rechts steigt eine ockerbraune Treppe zu einer Frauenfigur in feuerrotem Kleid; links ballt sich ein üppiges Stillleben aus Blüten, Monsterablatt und einem anatomischen Herz zu einem barock aufgeladenen Bouquet.

Im Vordergrund verteilen sich Requisiten wie aus einem Popkultur-Traum: ein knallroter US-Straßenkreuzer, ein rosa Flamingo, ein Tukan, ein grüner Papagei, ein Krokodil, eine kleine Donald-Duck-Figur, ein weiß-rosa Segelboot, ein orangefarbener Seestern und ein Paar roter Pumps.


Rabenschwarze Vögel, ein schwarz gekleidetes Mädchen mit Kopfhörern, eine Reihe fliegender Fische und ein Cluster fleischig gemalter Lippen setzen dunklere Akzente. Unten in der Mitte prangt, wie ein Stempel, das runde Logo „UNDERGROUND“; oben rechts signiert die Künstlerin in leuchtendem Gelb.


„Pop Art Underground“ liest sich als verdichtete Innenwelt, in der Bing amerikanische Ikonografie, europäisches Interieur und persönliche Symbolik zu einem einzigen Bühnenbild montiert. Die zentrale Freiheitsstatue funktioniert als Zitat im Zitat – ein gerahmtes Sehnsuchtsbild an einer roten Wand –, während die Treppe mit der roten Frauenfigur eine zweite Erzählebene öffnet: Aufstieg, Auftritt, Sichtbarkeit.


Das anatomische Herz inmitten des Blumenarrangements verschiebt das klassische Vanitas-Motiv ins Körperliche und Emotionale; die Lippen, Pumps und der rote Sportwagen führen eine Ikonografie weiblicher Begehrenszeichen ein, die Bing weder ironisch abwertet noch affirmativ glättet, sondern als gleichwertige Bildzeichen behandelt.


Tiere und Comicfigur bilden ein „untergründiges“ Personal, das den offiziellen Raum unterwandert – daher der Titel: Pop Art nicht als Oberflächenzitat, sondern als ein Untergrund, in dem Hoch- und Popkultur, Reiseerinnerung und intime Symbolik gleichberechtigt zirkulieren.


Das Bild gehört in Bings fortlaufende Reihe symbolisch aufgeladener Interieurs, in denen Räume, Designobjekte und Reisemotive zu psychologischen Bühnen werden. Die Verbindung von opulentem Blumenstillleben, anatomischem Detail und popkulturellen Requisiten schließt an ihre Neo-Vanitas- und Collage-Stillleben an, während die perspektivisch geöffnete Rückwand mit Bild-im-Bild und Treppe ihre Auseinandersetzung mit Interieur- und Architekturmalerei fortführt. Farblich reiht sich „Pop Art Underground“ in Bings hochgesättigte, rot- und orangedominierte Werkgruppen ein, in denen sie Farbe als Trägerin von Energie und Raumwirkung einsetzt. Innerhalb ihres internationalen Bogens zwischen Mallorca, Korbach und New York markiert die zentrale Freiheitsstatue eines der wiederkehrenden Sehnsuchts- und Referenzzeichen ihrer amerikanisch geprägten Bildwelt.


Kunstgeschichtlich verhandelt Bing hier eine spätere, europäische Lesart der Pop Art: weniger die serielle Kühle von Warhol oder Lichtenstein, mehr die dichte, malerische Aneignung, wie sie sich bei Sigmar Polke oder Robert Rauschenberg in der Überlagerung von Alltagsbild, Ornament und malerischer Geste zeigt. Das Nebeneinander von dekorativem Blumenmotiv, weiblichen Attributen und popkulturellen Zeichen berührt zugleich Fragestellungen der Pattern-and-Decoration-Bewegung um Miriam Schapiro und Robert Kushner, die das „Dekorative“ als bewusst weiblich codierte Bildsprache ernst nahmen.


In der theatralen Räumlichkeit und der Verbindung von Interieur, Porträt und Symbol steht das Werk zudem in einer Linie mit malerischen Positionen wie Peter Doig, Tal R oder Beatriz Milhazes, die erzählerische Innenwelten aus Farbe, Muster und kulturellen Fragmenten aufbauen. „Pop Art Underground“ ist damit weniger Zitat der klassischen Pop Art als deren Weiterschreibung in ein zeitgenössisches, europäisch-mediterran geprägtes Bildidiom.

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