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Port Andratx 2026. Acryl auf Leinwand

3000,00 €Preis

Port Andratx

2026

Acryl auf Leinwand

90 × 120 × 4 cm


Der Blick öffnet sich aus dem Garten der Künstlerin über die Bucht von Port Andratx hinweg auf die gegenüberliegende Hangbebauung und die dahinter aufsteigenden Silhouetten der Serra de Tramuntana. Im Vordergrund staffelt Bing eine dichte, tiefengestaffelte Vegetationsschicht: links eine strahlenförmig aufgefächerte Agavenpalme in kaltem Gelb-Grün, dahinter die charakteristischen mediterranen Pinien mit rot leuchtenden Stämmen und locker getupften Nadelkronen, davor ein flirrendes Band aus roten, rosa- und karminfarbenen Blüten, das die untere Bildkante wie ein blühender Vorhang säumt.


Dazwischen öffnet sich das tiefblaue, in kurzen horizontalen Strichen rhythmisierte Hafenbecken, dessen rechte Seite von einem ockerfarbenen Kai- und Molenband abgeschlossen wird.


Am jenseitigen Ufer schichten sich die Häuser der Bucht in einer breiten, fast musikalischen Zeile aus Ocker-, Zinnober-, Weiß- und Chromgrün-Tönen und lösen die Architektur in ein reines Farbfeld auf.


Darüber schiebt sich die Bergkette in einer ungewöhnlichen Palette aus Ultramarin, Violett und leuchtendem Magenta, während der Himmel in kurzen, gerichteten Strichen aus Kobalt-, Türkis- und Weißnuancen mit sparsam eingesetzten roten Akzentpunkten aufgefächert wird. Die gesamte Fläche ist in einer pastosen, sichtbar geführten Strichlage aufgebaut; nichts ist glatt geschlossen, alles bleibt in Bewegung.


Bing wählt in ihrem Landschaftgemälde Port Andratx bewusst eine Erzählperspektive der Zugehörigkeit statt der touristischen Distanz: Der Bildausdruck beginnt im eigenen Garten und führt den Blick über gepflegte Bepflanzung, Pinien und Wasser in die urbane Silhouette und das Gebirge. Der Vordergrund ist damit kein bloßer Rahmen, sondern ein privater Standort, von dem aus das öffentliche Panorama gelesen wird. Die Künstlerin verzichtet auf jede Postkartenharmonie: Sie zerlegt Wasser, Häuser und Himmel in gleichwertige, hochenergetische Farbmodule und lässt Magenta, Zinnober und Chromgrün nicht als Effekt, sondern als eigenständige Baustoffe des Bildes wirken. Die Häuserzeile wird in ein durchgestimmtes Farbklavier überführt, in dem Architektur, Licht und Erinnerung zusammenfallen.


So verschiebt sich die Landschaft von der Ansicht zur inneren Kartografie eines Ortes, den Bing seit Jahren bewohnt, malt und immer wieder neu befragt.


Das Werk gehört in Stephanie Bings fortlaufende mediterrane Werkgruppe rund um Mallorca und Port Andratx, in der die Künstlerin ihren Zweitwohnsitz konsequent nicht als Urlaubskulisse, sondern als zweite Lebens- und Arbeitsachse zwischen Korbach und der Insel behandelt. Wie in ihren Interieur- und Reise-Erinnerungsräumen — etwa den Arbeiten, in denen Terrassen, Hotelinterieurs und südliche Architektur als kulturelle Erinnerungskammern inszeniert werden — funktioniert auch hier der Ort nicht als Motiv, sondern als inszenierter Erfahrungsraum. Der Ausblick aus dem eigenen Garten schließt an ihr Grundinteresse an, Räume als psychologische Bühnen zu lesen, in denen Vegetation, Designelemente (hier der Kai, die Uferpromenade, die Häuserreihe) und persönliche Ortsbindung gleichrangig auftreten.

Die pastose, hochchromatische Handschrift verbindet diese Landschaftsarbeit mit ihren abstrakteren und mixed-media-basierten Serien: Farbe wird nicht dienend eingesetzt, sondern behauptet sich als eigenständige, taktile Materie.


Innerhalb ihres über 2.000 Werke umfassenden Archivs steht Mediterranes Port Andratx damit an einer Schnittstelle zwischen ortsgebundener Malerei und der abstrakten, strukturell denkenden Grundhaltung, die Bings Werk seit 1989 trägt.


Kunsthistorischer Kontext


Bing schreibt sich mit dieser Arbeit in eine lange Tradition mediterran gefärbter Moderne ein, ohne in ihre erwartbaren Referenzen zu fallen. Die Aufsplitterung der Häuserzeile in ein Band aus reinen Farbmodulen und die rhythmisierte, gerichtete Pinselschrift stehen im erweiterten Feld des Post-Fauvismus und der frühen École de Saint-Tropez, wie sie über Signac, Manguin oder Camoin verhandelt wurde — dort allerdings gefiltert durch eine zeitgenössische, gesättigtere und gebrochene Palette. Die Verwendung von Magenta und kaltem Violett in der Gebirgskette und die roten Akzentpunkte im Himmel verweisen zugleich auf eine postmoderne Farbfreiheit, wie sie bei Peter Doig, Karin Kneffel und Beatriz Milhazes zu beobachten ist: dekorative Dichte, die nicht dekorativ bleibt, sondern zur strukturellen Aussage wird.


Die staffelnde Vegetations- und Wasserarchitektur ruft Strategien einer Landschaftsauffassung bei David Hockney oder Tal R auf, in denen Ort, Erinnerung und Farbsystem zusammengedacht werden. Zugleich schließt Bings Nähe zu Pattern-, Ornament- und Musterbildung an Positionen des Pattern and Decoration Movement — etwa Miriam Schapiro, Joyce Kozloff oder Robert Kushner — an, für die ornamentale Dichte immer auch ein Argument über Wahrnehmung, Kultur und Herkunft ist. Mediterranes Port Andratx liest sich vor diesem Hintergrund als zeitgenössische Fortschreibung der mediterranen Bildidee: ein Ort, der nicht abgebildet, sondern in Farbe gedacht wird.

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