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San Juan Bosco mit zwei Pfirsichen 2026: Acryl Mixed Media on Canvas

2300,00 €Preis
Größe

In diesem Bild verbinde ich die Figur des Heiligen Johannes Bosco – Don Bosco, des italienischen Priesters und Gründers der Salesianer, Schutzpatron der Jugend – mit einer dichten, farbintensiven Komposition aus Collage, Malerei und ornamentaler Struktur. Im Zentrum der Bildfläche schweben zwei voluminös gemalte Pfirsiche, deren warme Gold-, Braun- und Rottöne einen fast barocken Körper besitzen und wie Gravitationspunkte das gesamte Bildfeld organisieren. Unterhalb der Früchte taucht das collagierte Porträt Don Boscos auf – klein, historisch, in Schwarz-Weiß –, eingebettet in Spitzenfragmente und ornamentale Schichten, die wie eine Reliquie aus einer anderen Zeit in das Bild hineinragen. Von oben her durchzieht ein einzelner, markant gezeichneter Fisch als Grätenskelett das obere Bilddrittel – aufrecht, wie ein Pfeil oder eine Antenne, die zwischen den Welten vermittelt. Links öffnet sich ein türkisfarbenes Blütenornament neben collagierten Textfragmenten, die an spanische Buchseiten erinnern und die mallorquinische Verortung des Werks dezent anklingen lassen. Im unteren Bilddrittel schwimmt ein naturalistisch wiedergegebener Fisch – eines meiner wiederkehrenden Motive – quer durch die Farbschichten, umgeben von zellartig- organischen Mustern, Schuppen, Spiralen und rhythmisch gesetzten Farbflecken in Pink, Orange, Gelb und Olivgrün.


Blaue und weiße Drippings fallen wie Regenvorhänge über die gesamte Komposition und

erzeugen eine vertikale Sogwirkung, die den Blick immer wieder durch die verschiedenen

Bedeutungsschichten hindurchzieht. Rechts im Bild baut sich eine große, an eine Schaumkelle erinnernde Kreisform aus konzentrischen Punktrastern auf, umgeben von Schuppentexturen und netzartigen Strukturen in Türkis und Creme, die zwischen Haut, Reptil und Architektur changieren. Am linken Rand setzen florale Stempel, Herz-Zeichen und geometrische Symbole spielerische Akzente, während im unteren Bereich kräftige rote und pinkfarbene Lettern aus den Schichten hervorbrechen – fragmentarisch, wie halbverdeckte Graffiti oder Erinnerungsspuren an eine vergangene Beschriftung.


Interpretation

Mit „San Juan Bosco mit zwei Pfirsichen” schaffe ich eine Begegnung zwischen dem Sakralen und dem Sinnlichen, zwischen historischer Heiligenverehrung und zeitgenössischer Bildlust. Die beiden Pfirsiche sind kein klassisches Stillleben-Attribut, sondern setzen als fleischlich- üppige Formen einen bewussten Kontrapunkt zur asketischen Figur Don Boscos. Hier treffen Überfluss und Bescheidenheit, Genuss und Verzicht, das Profane und das Geweihte in einem einzigen verdichteten Bildraum aufeinander. Don Bosco – der sich sein Leben lang den Armen, den Straßenkindern, der Bildung widmete – erscheint in meinem Bild nicht als heroische Monumentalfigur, sondern als kleines, fast verborgenes Porträtfragment, eingehüllt in Spitze und Ornament, umgeben von einer überbordenden visuellen Fülle, die alles andere als asketisch ist. Diese Spannung ist gewollt: Ich frage, was passiert, wenn Heiligkeit nicht in Stille und Leere aufgehoben ist, sondern in der Mitte eines dichten, lauten, farbigen Lebens – zwischen Fischen und Früchten, Mustern und Zeichen, Farbkaskaden und Textspuren.


Der Fisch – als Symbol des Christentums, aber auch des Mittelmeers, des Lebens, der

Bewegung – verbindet den religiösen Bezug mit meinem Alltag in Port d’Andratx, wo das Meer und seine Kreaturen allgegenwärtig sind. Das Fischskelett oben im Bild, abgenagt nach einem guten Mahl im mediterranen Restaurant, lese ich als Zeichen der Vergänglichkeit inmitten des Genusses – ein Vanitas-Moment, der Erde und Meer, Nahrung und Endlichkeit in einer einzigen filigranen Form zusammenführt. Die spanischen Textfragmente, die aus der Collage hervorschimmern, verankern das Bild in meinem mallorquinischen Lebensraum und verweisen auf die dort verbreitete Tradition der Heiligenverehrung, die im Alltag der Insel bis heute lebendig ist.


Kontexteinordnung

„San Juan Bosco mit zwei Pfirsichen” steht in der Tradition meiner Arbeiten, die Interieur, Biografie und kulturelle Referenzen zu vielschichtigen psychischen Topografien verdichten. Wie in meinen früheren Interieurs – in denen Möbel, Ornamente und Objekte zu Trägern von Erinnerung und Bedeutung wurden – verwandle ich hier religiöse Ikonografie in persönliches Material: Don Bosco wird Teil meiner Bildwelt, nicht Gegenstand einer Andacht. Damit reihe ich mich in eine Linie zeitgenössischer Positionen ein, die sakrale Motive jenseits frommer Illustration neu befragen – von Kiki Smith über Marlene Dumas bis zu den collagierten Heiligenwelten eines Rauschenberg. Die technische Dichte des Werks – die Überlagerung von Collage, gestischer Malerei, Stempel- und Schablonentechnik, Dripping und fein gemalter Figuration – ist typisch für meine aktuelle Werkphase, in der ich die Grenze zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit bewusst fließend halte. Der Fisch, die Schuppenmuster, die zelluläre Ornamentik und die konzentrische Kreisform verweisen auf meine „Brain”-Serie und deren organisch-neuronale Formensprache, während die Pfirsiche und das Heiligenporträt das Bild in einer erzählerisch-figurativen Tradition verankern. Im Kontext meines Gesamtwerks markiert dieses Bild einen Moment, in dem Spiritualität, mediterrane Lebenswelt und malerische Opulenz ineinanderfließen – eine „psychische Topografie des Glaubens”, in der die Heiligenfigur nicht verklärt, sondern eingewoben wird in das farbintensive, sinnlich aufgeladene Gewebe meiner Bildwelten.



  • Acryl Mixed Media on Canvas

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