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SECOND FLOOR 2022, SOLD

4000,00 €Preis

SECOND FLOOR Interior

2022

60 × 90 × 2 cm

Acryl und Mixed Media auf Leinwand

Weiß-hellgrauer Schattenfugenrahmen

€ 4000


S O L D


Verwendete Materialien: Künstler-Acrylfarben, feine Ölkreide, Spachtelmasse, Collage-Elemente einer französischen Gazette von 1956, Lackstift und Graphit.


Mit „SECOND FLOOR Interior“ eröffnet Stephanie Bing einen imaginären Wohnraum, in dem Architektur, Design und malerische Fantasie ineinandergreifen. Das 2022 in Port Andratx auf Mallorca entstandene Original misst 60 × 90 cm und ist in einem weiß-hellgrauen Schattenfugenrahmen gefasst. Das preisgekrönte Gemälde wurde 2023 auf der London Art Biennale ausgestellt.


Künstler-Acrylfarben, feine Ölkreide, Spachtelmasse, Lackstift und Graphit verbinden sich mit Collage-Elementen einer französischen Gazette von 1956 zu einer vielschichtigen Bildoberfläche. Gedruckte Schrift, zeichnerische Spuren und lasierende wie deckende Farbpartien lassen einen Raum entstehen, der zwischen konkreter Darstellung und malerischer Auflösung schwebt. Die historischen Papierfragmente sind dabei mehr als dekorative Elemente: Sie tragen eine vergangene Alltagswelt in das Bild hinein und verleihen dem Interieur eine eigene zeitliche Tiefe.


Der Blick findet hier keinen festen Ruhepunkt. Er wandert über Teppiche und Sitzgruppen, folgt der geschwungenen Treppe nach oben und gleitet durch hintereinanderliegende Durchgänge in die Ferne. Spiegel, Öffnungen und wechselnde Perspektiven erweitern den sichtbaren Raum und entziehen ihn zugleich einer eindeutigen Ordnung. Das Interieur wirkt bewohnbar und bleibt doch eine räumliche Erfindung, deren Zusammenhänge sich nicht vollständig entschlüsseln lassen.


Links setzt ein großer runder Spiegel einen ruhigen Gegenpol zur Fülle der Gegenstände. Davor steht eine kleine weiße Figur auf einem Salontisch; ein prächtiger Teppich breitet sich im Vordergrund aus. Darüber erscheinen rote Früchte und ein an seiner Schwanzflosse aufgehängter Fisch. Zwischen historischen Werbeanzeigen, Leuchten und architektonischen Linien entfalten diese Motive eine beinahe surreale Selbstverständlichkeit. Vertraute Dinge werden ihrer gewohnten Umgebung enthoben und fügen sich zu einer neuen, eigensinnigen Wirklichkeit.


Die Möblierung lässt sich als persönliche Wanderung durch unterschiedliche Epochen und Formensprachen des Designs lesen. Helle, weich gepolsterte Sessel treffen auf die klare Konstruktion von Stahlrohr-Freischwingern; skulpturale Beistelltische und ausdrucksstarke Gefäße setzen eigenständige Akzente. Nicht die stilistische Einheit bestimmt diesen Raum, sondern das spannungsvolle Zusammenspiel seiner Unterschiede.


Anklänge an die Formensprache von Ettore Sottsass und des Memphis-Designs zeigen sich insbesondere in den eigenwilligen Objekten, den geometrischen Mustern und den pointierten Farbkontrasten. Ornament, spielerische Übertreibung und ein leiser ironischer Unterton begegnen einer Architektur, deren helle Flächen dem vielstimmigen Ensemble Halt geben. Das Interieur erscheint dadurch zugleich elegant und unkonventionell, kultiviert und lustvoll unangepasst.


Bemerkenswert ist die fast vollständige Abwesenheit seiner Bewohner. Nur am oberen linken Bildrand lässt sich in einer historischen Werbegrafik eine kleine Frauenfigur entdecken. Dennoch ist menschliche Gegenwart überall spürbar: in der Auswahl der Möbel, der Anordnung der Objekte und den bereitstehenden Sitzplätzen. Die Dinge scheinen von Menschen zu erzählen, ohne diese unmittelbar zu zeigen. So wird das Interieur zu einem möglichen Porträt seiner unsichtbaren Bewohner – oder zu einem Selbstbild, das sich nicht durch Gesicht und Körper, sondern durch Vorlieben, Erinnerungen und ästhetische Entscheidungen ausdrückt.


Auch die historischen Zeitungsausschnitte erhalten in diesem Zusammenhang eine weiterführende Bedeutung. Sie verbinden sich mit den Designzitaten und der offenen Architektur zu einem Raum, in dem verschiedene Zeiten gleichzeitig gegenwärtig sind. Vergangenheit wird hier nicht rekonstruiert, sondern verwandelt: Sie geht in eine neue, persönliche Bildwelt ein.


„SECOND FLOOR Interior“ ist damit mehr als eine Hommage an anspruchsvolle Wohnkultur. Das Gemälde erkundet, wie Räume durch Dinge Bedeutung gewinnen und wie aus dem Nebeneinander von Formen, Materialien und Erinnerungsfragmenten eine eigene Wirklichkeit entsteht. Die scheinbare Fülle ist dabei kein Selbstzweck. Sie lädt zu einem langsamen Sehen ein, bei dem immer neue Beziehungen zwischen den Einzelheiten sichtbar werden.


Mit dem gleichformatigen, ebenfalls 2022 entstandenen Gemälde „First Floor Interior“ bildet das Werk ein gedankliches Paar. Beide in Port Andratx geschaffenen Bilder lassen sich als unterschiedliche Ebenen eines imaginären Hauses verstehen. Sie eröffnen Räume, die nicht nur betrachtet, sondern in Gedanken betreten werden möchten: Orte, an denen man verweilen, den Blick wandern lassen und für einen Moment ganz gegenwärtig sein kann.


Preis: 4.000 €

Verkauft – Sammlung Chefarzt Dr. Winfried-Arved Schneider

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