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Vanity Fair Aquarium. Bones & Bubbles. Autumn 2026

8000,00 €Preis

Vanity Fair Aquarium. Bones & Bubbles. Autumn

2026

Acryl Mixed Media on Canvas

150 x 100 cm

€ 8000


In Vanity Fair Aquarium. Bones & Bubbles entfaltet Stephanie Bing einen schillernden Bildkosmos zwischen imaginärem Aquarium, organischem Mikrokosmos und ornamentalem Kuriositätenkabinett. Dürers Hase begegnet einem Froschskelett, Fischskeletten, einem kleinen Pulpo und einer Qualle. Mitochondrien und ein eingefügter Hausgrundriss erweitern das Motivgefüge um zelluläre und architektonische Strukturen. Im Zentrum steht ein Totenschädel, aus dem ein Fliegenpilz und Blumen wachsen. Leuchtendes Korallrot, Türkis, Gelbgrün und Violett verbinden die unterschiedlichen Erscheinungsformen zu einer vielschichtigen, von hellen Farbspuren durchzogenen Bildwelt.


Interpretation


Das Werk entwirft eine zeitgenössische Vanitas, in der Vergänglichkeit und Lebenskraft unauflöslich miteinander verbunden sind. Der Totenschädel erscheint nicht als endgültiger Schlusspunkt: Indem ein Fliegenpilz und Blumen aus ihm hervorwachsen, wird er zum bildlichen Nährboden neuer Existenz. Schönheit und Verfall, Verführung und latente Gefahr besetzen denselben Ort.


Frosch- und Fischskelette legen die verborgenen Gerüste des Lebendigen frei. Ihnen stehen die beweglichen, weich anmutenden Körper von Pulpo und Qualle gegenüber. Zwischen knöcherner Festigkeit und fließender Kontur entwickelt Stephanie Bing eine Bildsprache unterschiedlicher körperlicher Zustände. Die Mitochondrien erweitern diese Betrachtung um eine unsichtbare, innere Dimension: Das Leben erscheint nicht nur in seiner äußeren Gestalt, sondern auch als Vorstellung fortwährender Aktivität im Verborgenen.


Dürers Hase setzt innerhalb dieses schwebenden Gefüges einen besonderen Akzent. Als wiedererkennbares kunsthistorisches Motiv verbindet er die Gegenwart des Bildes mit einer überlieferten Vorstellung konzentrierter Naturbetrachtung. In Bings ornamental durchwirkter Welt verliert er jedoch seine isolierte Stellung. Er wird Teil eines offenen Zusammenhangs aus Tierkörpern, biologischen Zeichen und malerischen Verwandlungen.


Der Hausgrundriss fügt dieser organischen Vielfalt eine andere Form von Ordnung hinzu. Er lässt sich als Zeichen menschlichen Wohnens, Vermessens und Sich-Einrichtens lesen. Dem geplanten, begrenzten Raum steht eine Bildwelt gegenüber, die sich eindeutigen Grenzen entzieht. So begegnen sich zwei Vorstellungen von Behausung: das konstruierte Haus und der Körper als vorübergehender Ort des Lebens.


Der Titel bündelt diese Spannungen. Vanity Fair evoziert einen Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem sich Schönheit und Selbstdarstellung entfalten. Bones & Bubbles stellt dem bleibenden Gerüst die flüchtige Erscheinung gegenüber. Das Aquarium wird dabei zum imaginären Schauraum einer Existenz, die sich zugleich zeigt, verwandelt und entzieht.


Einordnung in das Werk von Stephanie Bing


In diesem Gemälde verdichtet Stephanie Bing ihre Verbindung von ornamentaler Fülle, figurativen Motiven und symbolisch aufgeladenen Bildräumen. Das Werk lässt sich als Erweiterung des Interieurs verstehen: Nicht allein ein bewohnbarer Raum, sondern ein ganzes Gefüge ineinandergreifender Lebensräume entfaltet sich auf der Leinwand.


Aquarium, Haus und organischer Körper werden dabei zu miteinander korrespondierenden Raumbildern. Der Grundriss beschreibt eine architektonische Ordnung; die Mitochondrien verweisen auf das körperliche Innere; die Meereswesen öffnen einen imaginären Unterwasserraum. Stephanie Bing verschränkt diese unterschiedlichen Maßstäbe, ohne sie einer einheitlichen Perspektive zu unterwerfen.


Das Ornament übernimmt eine verbindende Funktion. Es vermittelt zwischen präzise erkennbaren Einzelmotiven und abstrakten Strukturen, zwischen Oberfläche und angedeuteter Tiefe. Die sinnliche Unmittelbarkeit der Farbe steht dabei in produktiver Spannung zur existenziellen Bedeutung der Motive: Was zunächst verspielt und überschäumend erscheint, erweist sich bei längerer Betrachtung als vieldeutige Auseinandersetzung mit Körperlichkeit, Erinnerung und Endlichkeit.

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